 weilenden Berliner Dame zugute kommen sollte. Beider Seelen hatten
sich längst gefunden und gipfelten in einer der ganzen Männerwelt geltenden
starken Skepsis; sie fanden die Männer durchweg weit zurückbleibend hinter dem,
was billigerweise gefördert werden könne, die sogenannten »forschen« am meisten.
»Die, die vor Verlegenheit nicht wissen, wo sie hinsehen sollen, sind, nach
einem kurzen Vorstudium, immer noch die besten, aber die eigentlichen Don Juans
erweisen sich jedesmal als eine Enttäuschung. Wo soll es am Ende auch
herkommen.« Das waren so Weisheitssätze, die zwischen den zwei Freundinnen
ausgetauscht wurden.
    Die Zwicker war schon auf dem zweiten Bogen und fuhr in ihrem mehr als
dankbaren Thema, das natürlich »Effi« hieß, eben wie folgt fort: »Alles in allem
war sie sehr zu leiden, artig, anscheinend offen, ohne jeden Adelsdünkel (oder
doch groß in der Kunst, ihn zu verbergen) und immer interessiert, wenn man ihr
etwas Interessantes erzählte, wovon ich, wie ich Dir nicht zu versichern
brauche, den ausgiebigsten Gebrauch machte. Nochmals also, reizende junge Frau,
fünfundzwanzig oder nicht viel mehr. Und doch hab ich dem Frieden nie getraut
und traue ihm auch in diesem Augenblicke noch nicht, ja, jetzt vielleicht am
wenigsten. Die Geschichte heute mit dem Briefe - da steckt eine wirkliche
Geschichte dahinter. Dessen bin ich so gut wie sicher. Es wäre das erste Mal,
dass ich mich in solcher Sache geirrt hätte. Dass sie mit Vorliebe von den
Berliner Modepredigern sprach und das Maß der Gottseligkeit jedes einzelnen
feststellte, das und der gelegentliche Gretchenblick, der jedesmal versicherte,
kein Wässerchen trüben zu können - alle diese Dinge haben mich in meinem
Glauben... Aber da kommt eben unsere Afra, von der ich Dir glaub ich, schon
schrieb, eine hübsche Person, und packt mir ein Zeitungsblatt auf den Tisch, das
ihr, wie sie sagt, unsere Frau Wirtin für mich gegeben habe; die blau
angestrichene Stelle. Nun verzeih, wenn ich diese Stelle erst lese...
    Nachschrift. Das Zeitungsblatt war interessant genug und kam wie gerufen.
Ich schneide die blau angestrichene Stelle heraus und lege sie diesen Zeilen
bei. Du siehst daraus, dass ich mich nicht geirrt habe. Wer mag nur der Crampas
sein? Es ist unglaublich - erst selber Zettel und Briefe schreiben und dann auch
noch die des anderen aufbewahren! Wozu gibt es Öfen und Kamine? Solange
wenigstens, wie dieser Duellunsinn noch existiert, darf dergleichen nicht
vorkommen; einem kommenden Geschlechte kann diese Briefschreibepassion (weil
dann gefahrlos geworden) vielleicht freigegeben werden. Aber so weit sind wir
noch lange nicht. Übrigens bin ich voll Mitleid mit der jungen Baronin und
finde, eitel wie man
