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aber dabei tut sie, als wäre Hohen-Cremmen immer noch die Hauptsache für sie und
Mann und Kind kämen gegen uns beide nicht an. Sie ist eine prächtige Tochter,
aber sie ist es mir zu sehr. Es ängstigt mich ein bisschen. Und ist auch
ungerecht gegen Innstetten. Wie steht es denn eigentlich damit?«
    »Ja, Briest, was meinst du?«
    »Nun, ich meine, was ich meine, und du weißt auch was. Ist sie glücklich?
Oder ist da doch irgendwas im Wege? Von Anfang an war mir's so, als ob sie ihn
mehr schätze als liebe. Und das ist in meinen Augen ein schlimm Ding. Liebe hält
auch nicht immer vor, aber Schätzung gewiss nicht. Eigentlich ärgern sich die
Weiber, wenn sie wen schätzen müssen; erst ärgern sie sich, und dann langweilen
sie sich, und zuletzt lachen sie.«
    »Hast du so was an dir selber erfahren?«
    »Das will ich nicht sagen. Dazu stand ich nicht hoch genug in der Schätzung.
Aber schrauben wir uns nicht weiter, Luise. Sage, wie steht es?«
    »Ja, Briest, du kommst immer auf diese Dinge zurück. Da reicht ja kein
dutzendmal, dass wir darüber gesprochen und unsere Meinungen ausgetauscht haben,
und immer bist du wieder da mit deinem Alles-wissen-Wollen und fragst dabei so
schrecklich naiv, als ob ich in alle Tiefen sähe. Was hast du nur für
Vorstellungen von einer jungen Frau und ganz speziell von deiner Tochter?
Glaubst du, dass das alles so plan daliegt? Oder dass ich ein Orakel bin (ich kann
mich nicht gleich auf den Namen der Person besinnen) oder dass ich die Wahrheit
sofort klipp und klar in den Händen halte, wenn mir Effi ihr Herz ausgeschüttet
hat? Oder was man wenigstens so nennt. Denn was heißt ausschütten? Das
Eigentliche bleibt doch zurück. Sie wird sich hüten, mich in ihre Geheimnisse
einzuweihen. Außerdem, ich weiß nicht, von wem sie's hat, sie ist... ja, sie ist
eine sehr schlaue kleine Person, und diese Schlauheit an ihr ist um so
gefährlicher, weil sie so sehr liebenswürdig ist.«
    »Also das gibst du doch zu... liebenswürdig. Und auch gut?«
    »Auch gut. Das heißt voll Herzensgüte. Wie's sonst steht, da bin ich mir
doch nicht sicher; ich glaube, sie hat einen Zug, den lieben Gott einen guten
Mann sein zu lassen und sich zu trösten, er werde wohl nicht allzu streng mit
ihr sein.«
    »Meinst du?«
    »Ja, das mein ich. Übrigens
