 alphabetisch geordnete, vorn mit einem Eisenringe versehene Kästen, in
denen die Rezepte lagen.
    Gieshübler war beglückt und verlegen. »Welche Ehre. Hier unter meinen
Retorten. Darf ich die gnädige Frau auffordern, einen Augenblick Platz zu
nehmen?«
    »Gewiss, lieber Gieshübler. Aber auch wirklich nur einen Augenblick. Ich will
Ihnen adieu sagen.«
    »Aber meine gnädigste Frau, Sie kommen ja doch wieder. Ich habe gehört, nur
auf drei, vier Tage...«
    »Ja, lieber Freund, ich soll wiederkommen, und es ist sogar verabredet, dass
ich spätestens in einer Woche wieder in Kessin bin. Aber ich könnte doch auch
nicht wiederkommen. Muss ich Ihnen sagen, welche tausend Möglichkeiten es gibt...
Ich sehe, Sie wollen mir sagen, dass ich noch zu jung sei... auch Junge können
sterben. Und dann so vieles andere noch. Und da will ich doch lieber Abschied
nehmen von Ihnen, als wär es für immer.«
    »Aber meine gnädigste Frau...«
    »Als wär es für immer. Und ich will Ihnen danken, lieber Gieshübler. Denn
Sie waren das Beste hier; natürlich, weil Sie der Beste waren. Und wenn ich
hundert Jahr alt würde, so werde ich Sie nicht vergessen. Ich habe mich hier
mitunter einsam gefühlt, und mitunter war mir so schwer ums Herz, schwerer, als
Sie wissen können; ich habe es nicht immer richtig eingerichtet; aber wenn ich
Sie gesehen habe, vom ersten Tage an, dann habe ich mich immer wohler gefühlt
und auch besser.«
    »Aber meine gnädigste Frau.«
    »Und dafür wollte ich Ihnen danken. Ich habe mir eben ein Fläschchen mit Sal
volatile gekauft; im Koupé sind mitunter so merkwürdige Menschen und wollen
einem nicht mal erlauben, dass man ein Fenster aufmacht; und wenn mir dann
vielleicht - denn es steigt einem ja ordentlich zu Kopf, ich meine das Salz -
die Augen übergehen, dann will ich an Sie denken. Adieu, lieber Freund, und
grüßen Sie Ihre Freundin, die Trippelli. Ich habe in den letzten Wochen öfter an
sie gedacht und an Fürst Kotschukoff. Ein eigentümliches Verhältnis bleibt es
doch. Aber ich kann mich hineinfinden... Und lassen Sie einmal von sich hören.
Oder ich werde schreiben.«
    Damit ging Effi. Gieshübler begleitete sie bis auf den Platz hinaus. Er war
wie benommen, so sehr, dass er über manches Rätselhafte, was sie gesprochen, ganz
hinwegsah.
Effi ging wieder nach Haus. »Bringen Sie mir die Lampe, Johanna«, sagte sie,
»aber in mein Schlafzimmer. Und dann eine Tasse Tee. Ich hab es
