 Kapottüten, und alle
haben ein Gesangbuch in Händen und wollen zur Kirche, und alle Glocken läuten.
Und als er das hört, da fasst ihn eine Sehnsucht, auch mit in die Kirche zu
gehen, wenn auch bloß um der Kapottüte willen, und vor Verlangen schreit er auf
und will sich hinunterstürzen. Aber im selben Augenblicke packt ihn der Kapitän
am Bein und ruft ihm zu: Doktor, sind Sie des Teufels?«
    »Das ist ja allerliebst. Das möcht ich lesen. Ist es lang?«
    »Nein, es ist eigentlich kurz, etwas länger als Du hast Diamanten und Perlen
oder Deine weichen Lilienfinger...«, und er berührte leise ihre Hand. »Aber lang
oder kurz, welche Schilderungskraft, welche Anschaulichkeit! Er ist mein
Lieblingsdichter, und ich kann ihn auswendig, sowenig ich mir sonst, trotz
gelegentlich eigener Versündigungen, aus der Dichterei mache. Bei Heine liegt es
aber anders: Alles ist Leben, und vor allem versteht er sich auf die Liebe, die
doch die Hauptsache bleibt. Er ist übrigens nicht einseitig darin...«
    »Wie meinen Sie das?«
    »Ich meine, er ist nicht bloß für die Liebe...«
    »Nun, wenn er diese Einseitigkeit auch hätte, das wäre am Ende noch nicht
das schlimmste. Wofür ist er denn sonst noch?«
    »Er ist auch sehr für das Romantische, was freilich gleich nach der Liebe
kommt und nach Meinung einiger sogar damit zusammenfällt. Was ich aber nicht
glaube. Denn in seinen späteren Gedichten, die man denn auch die romantischen
genannt hat, oder eigentlich hat er es selber getan, in diesen romantischen
Dichtungen wird in einem fort hingerichtet, allerdings vielfach aus Liebe. Aber
doch meist aus anderen, gröberen Motiven, wohin ich in erster Reihe die Politik,
die fast immer gröblich ist, rechne. Karl Stuart zum Beispiel trägt in einer
dieser Romanzen seinen Kopf unterm Arm, und noch fataler ist die Geschichte vom
Vitzliputzli...«
    »Von wem?«
    »Vom Vitzliputzli. Vitzliputzli ist nämlich ein mexikanischer Gott, und als
die Mexikaner zwanzig oder dreißig Spanier gefangengenommen hatten, mussten diese
zwanzig oder dreißig dem Vitzliputzli geopfert werden. Das war da nicht anders,
Landessitte, Kultus, und ging auch alles im Handumdrehen, Bauch auf, Herz
raus...«
    »Nein, Crampas, so dürfen Sie nicht weitersprechen. Das ist indezent und
degoutant zugleich. Und das alles so ziemlich in demselben Augenblicke, wo wir
frühstücken wollen.«
    »Ich für meine Person sehe mich dadurch unbeeinflusst und stelle meinen
Appetit überhaupt nur in Abhängigkeit vom Menü.«
    Während dieser Worte waren sie, ganz wie's das
