, dass er doch nicht ganz so dazu stände, wie
er's uns einreden wollte.«
    »Mystische Richtung?« sagte Effi. »Ja, Major, was verstehen Sie darunter? Er
kann doch keine Konventikel abgehalten und den Propheten gespielt haben. Auch
nicht einmal den aus der Oper... ich habe seinen Namen vergessen.«
    »Nein, so weit ging er nicht. Aber es ist vielleicht besser, davon
abzubrechen. Ich möchte nicht hinter seinem Rücken etwas sagen, was falsch
ausgelegt werden könnte. Zudem sind es Dinge, die sich sehr gut auch in seiner
Gegenwart verhandeln lassen, Dinge, die nur, man mag wollen oder nicht, zu was
Sonderbarem aufgebauscht werden, wenn er nicht dabei ist und nicht jeden
Augenblick eingreifen und uns widerlegen oder meinetwegen auch auslachen kann.«
    »Aber das ist ja grausam, Major. Wie können Sie meine Neugier so auf die
Folter spannen. Erst ist es was, und dann ist es wieder nichts. Und Mystik! Ist
er denn ein Geisterseher?«
    »Ein Geisterseher! Das will ich nicht gerade sagen. Aber er hatte eine
Vorliebe, uns Spukgeschichten zu erzählen. Und wenn er uns dann in große
Aufregung versetzt und manchen auch wohl geängstigt hatte, dann war es mit einem
Male wieder, als habe er sich über alle die Leichtgläubigen bloß mokieren
wollen. Und kurz und gut, einmal kam es, dass ich ihm auf den Kopf zusagte: Ach
was, Innstetten, das ist ja alles bloß Komödie. Mich täuschen Sie nicht. Sie
treiben Ihr Spiel mit uns. Eigentlich glauben Sie's grad sowenig wie wir, aber
Sie wollen sich interessant machen und haben eine Vorstellung davon, dass
Ungewöhnlichkeiten nach oben hin besser empfehlen. In höheren Karrieren will man
keine Alltagsmenschen. Und da Sie so was vorhaben, so haben Sie sich was Apartes
ausgesucht und sind bei der Gelegenheit auf den Spuk gefallen.«
    Effi sagte kein Wort, was dem Major zuletzt bedrücklich wurde. »Sie
schweigen, gnädigste Frau.«
    »Ja.«
    »Darf ich fragen, warum? Hab ich Anstoß gegeben? Oder finden Sie's
unritterlich, einen abwesenden Freund, ich muss das trotz aller Verwahrungen
einräumen, ein klein wenig zu hecheln? Aber da tun Sie mir trotz alledem
unrecht. Das alles soll ganz ungeniert seine Fortsetzung vor seinen Ohren haben,
und ich will ihm dabei jedes Wort wiederholen, was ich jetzt eben gesagt habe.«
    »Glaub es.« Und nun brach Effi ihr Schweigen und erzählte, was sie alles in
ihrem Hause erlebt und wie sonderbar sich Innstetten damals dazu gestellt habe.
»Er sagte nicht ja und nicht nein, und ich bin nicht klug
