 hatte Leopold die kleine Tasse schon herabgenommen und sie mit einem
Zuge geleert.
    »Ah, brillant. Das tut einem alten Menschen wohl. Und nun will ich die Milch
trinken, Mützell; aber mit Andacht. Und wenn ich damit fertig bin - die Milch
ist immer ein bisschen labbrig, was aber kein Tadel sein soll, gute Milch muss
eigentlich immer ein bisschen labbrig sein -, wenn ich damit fertig bin, bitt ich
noch um eine...«
    »Kaffee?«
    »Freilich, Mützell.«
    »Ja, Herr Treibel...«
    »Nun, was ist? Sie machen ja ein ganz verlegenes Gesicht, Mützell, als ob
ich was ganz Besonderes gesagt hätte.«
    »Ja, Herr Treibel...«
    »Nun, zum Donnerwetter, was ist denn los?«
    »Ja, Herr Treibel, als die Frau Mama vorgestern hier waren und der Herr
Kommerzienrat auch, und auch das Gesellschaftsfräulein, und Sie, Herr Leopold,
eben nach dem Sperl und dem Karrousel gegangen waren, da hat mir die Frau Mama
gesagt: Hören Sie, Mützell, ich weiß, er kommt beinahe jeden Morgen, und ich
mache Sie verantwortlich... eine Tasse; nie mehr..., Sanitätsrat Lohmeier, der
ja auch mal Ihre Frau behandelt hat, hat es mir im Vertrauen, aber doch mit
allem Ernste gesagt: zwei sind Gift...«
    »So... Und hat meine Mama vielleicht noch mehr gesagt?«
    »Die Frau Kommerzienrätin sagten auch noch: Ihr Schade soll es nicht sein,
Mützell... Ich kann nicht sagen, dass mein Sohn ein passionierter Mensch ist, er
ist ein guter Mensch, ein lieber Mensch..., Sie verzeihen, Herr Treibel, dass ich
Ihnen das alles, was Ihre Frau Mama gesagt hat, hier so ganz simplement
wiederhole, ... aber er hat die Kaffeepassion. Und das ist immer das Schlimme,
dass die Menschen grade die Passion haben, die sie nicht haben sollen. Also,
Mützell, eine Tasse mag gehen, aber nicht zwei.«
    Leopold hatte mit sehr geteilten Empfindungen zugehört und nicht gewusst, ob
er lachen oder verdrießlich werden solle. »Nun, Mützell, dann also lassen wir's;
keine zweite.« Und damit nahm er seinen Platz wieder ein, während sich Mützell
in seine Wartestellung an der Hausecke zurückzog.
    »Da hab ich nun mein Leben auf einen Schlag«, sagte Leopold, als er wieder
allein war. »Ich habe mal von einem gehört, der bei Josty, weil er so gewettet
hatte, zwölf Tassen Kaffee hintereinander trank und dann tot umfiel. Aber was
