 davon
nicht viel Worte machen, aber wie kommen wir dazu, Hildegard einzuladen, als ob
uns daran läge, die Beziehungen der beiden Häuser aufs eifrigste zu pflegen, und
wie wenn wir nichts sehnlicher wünschten, als noch mehr Hamburger Blut in die
Familie zu bringen...«
    »Aber Jenny. ..«
    »Nichts von aber, Treibel. Von solchen Sachen versteht ihr nichts, weil ihr
kein Auge dafür habt. Ich sage dir, auf solche Pläne läuft es hinaus, und
deshalb sollen wir die Einladenden sein. Wenn Helene Hildegarden einlädt, so
bedeutet das so wenig, dass es nicht einmal die Trinkgelder wert ist und die
neuen Toiletten nun schon gewiss nicht. Was hat es für eine Bedeutung, wenn sich
zwei Schwestern wiedersehen? Gar keine, sie passen nicht mal zusammen und
schrauben sich beständig; aber wenn wir Hildegard einladen, so heißt das, die
Treibels sind unendlich entzückt über ihre erste Hamburger Schwiegertochter und
würden es für ein Glück und eine Ehre ansehen, wenn sich das Glück erneuern und
verdoppeln und Fräulein Hildegard Munk Frau Leopold Treibel werden wollte. Ja,
Freund, darauf läuft es hinaus. Es ist eine abgekartete Sache. Leopold soll
Hildegard oder eigentlich Hildegard soll Leopold heiraten; denn Leopold ist bloß
passiv und hat zu gehorchen. Das ist das, was die Munks wollen, was Helene will
und was unser armer Otto, der, Gott weiß es, nicht viel sagen darf, schließlich
auch wird wollen müssen. Und weil wir zögern und mit der Einladung nicht recht
heraus wollen, deshalb schmollt und grollt Helene mit uns und spielt die
Zurückhaltende und Gekränkte und gibt die Rolle nicht einmal auf an einem Tage,
wo ich ihr einen großen Gefallen getan und ihr den Mister Nelson hierher
eingeladen habe, bloß damit ihr die Plättbolzen nicht kalt werden.«
    Treibel lehnte sich weiter zurück in den Stuhl und blies kunstvoll einen
kleinen Ring in die Luft. »Ich glaube nicht, dass du recht hast. Aber wenn du
recht hättest, was täte es? Otto lebt seit acht Jahren in einer glücklichen Ehe
mit Helenen, was auch nur natürlich ist; ich kann mich nicht entsinnen, dass
irgendwer aus meiner Bekanntschaft mit einer Hamburgerin in einer unglücklichen
Ehe gelebt hätte. Sie sind alle so zweifelsohne, haben innerlich und äußerlich
so was ungewöhnlich Gewaschenes und bezeugen in allem, was sie tun und nicht
tun, die Richtigkeit der Lehre vom Einfluss der guten Kinderstube. Man hat sich
ihrer nie zu schämen, und ihrem zwar bestrittenen, aber im stillen immer
gehegten Herzenswunsche, für eine Engländerin gehalten zu werden, diesem Ideale
kommen sie meistens sehr nah. Indessen das mag auf sich beruhen. Soviel steht
jedenfalls fest, und ich muss es wiederholen
