 halber fragen
will. Ich begreife nicht, dass er nicht kommt oder, richtiger, nicht schon da
ist. Denn dass er kommt, ist unzweifelhaft, er hätte sonst abgeschrieben, artiger
Mann, der er ist.«
    »Ja, das ist er«, sagte Etienne, »das hat er noch aus dem Semitismus mit
rübergenommen.«
    »Sehr wahr«, fuhr Schmidt fort, »aber wo er's herhat, ist am Ende
gleichgültig. Ich bedauere mitunter, Urgermane, der ich bin, dass wir nicht auch
irgendwelche Bezugsquelle für ein bisschen Schliff und Politesse haben; es
braucht ja nicht gerade dieselbe zu sein. Diese schreckliche Verwandtschaft
zwischen Teutoburger Wald und Grobheit ist doch mitunter störend. Friedeberg ist
ein Mann, der, wie Max Piccolomini - sonst nicht gerade sein Vorbild, auch nicht
mal in der Liebe -, der Sitten Freundlichkeit allerzeit kultiviert hat, und es
bleibt eigentlich nur zu beklagen, dass seine Schüler nicht immer das richtige
Verständnis dafür haben. Mit anderen Worten, sie spielen ihm auf der Nase...«
    »Das uralte Schicksal der Schreib- und Zeichenlehrer...«
    »Freilich. Und am Ende muss es auch so gehen und geht auch. Aber lassen wir
die heikle Frage. Lass mich lieber auf Mykenä zurückkommen und sage mir deine
Meinung über die Goldmasken. Ich bin sicher, wir haben da ganz was Besonderes,
so das recht Eigentlichste. Jeder beliebige kann doch nicht bei seiner
Bestattung eine Goldmaske getragen haben, doch immer nur die Fürsten, also mit
höchster Wahrscheinlichkeit Orests und Iphigeniens unmittelbare Vorfahren. Und
wenn ich mir dann vorstelle, dass diese Goldmasken genau nach dem Gesicht geformt
wurden, gerade wie wir jetzt eine Gips- oder Wachsmaske formen, so hüpft mir das
Herz bei der doch mindestens zulässigen Idee, dass dies hier« - und er wies auf
eine aufgeschlagene Bildseite -, »dass dies hier das Gesicht des Atreus ist oder
seines Vaters oder seines Onkels...«
    »Sagen wir seines Onkels.«
    »Ja, du spottest wieder, Distelkamp, trotzdem du mir doch selber den Spott
verboten hast. Und das alles bloß, weil du der ganzen Sache misstraust und nicht
vergessen kannst, dass er, ich meine natürlich Schliemann, in seinen Schuljahren
über Strelitz und Fürstenberg nicht rausgekommen ist. Aber lies nur, was Virchow
von ihm sagt. Und Virchow wirst du doch gelten lassen.«
    In diesem Augenblicke hörte man draußen die Klingel gehen. »Ah, lupus in
fabula. Das ist er. Ich wusste, dass er uns nicht im Stiche lassen würde...«
    Und kaum dass Schmidt diese Worte gesprochen, trat Friedeberg auch schon
herein, und ein reizender schwarzer
