, weil er
weiß, dass wir von Anfang an zueinander gehören und nicht ohne einander leben
können. Glauben Sie ihm ja nur nicht alles, was er an Dummheiten vorbringt: er
hat es selbst in den schlimmsten und besten Augenblicken, die der Mensch auf
dieser Erde erleben muss, zu dick hinter den Ohren. Ja, ja, ja, er kam damals zur
rechten Zeit! Meinen Vater hatte zum erstenmal der Schlag gerührt, und ich war
einundzwanzig Jahre alt geworden und die Herrin auf der Roten Schanze. O du
grundgütige Barmherzigkeit, was für eine Herrin! Mit was für einer Welt auf dem
Hofe und rund umher! Seine Witze konnte Heinrich ja natürlich auch dabei nicht
lassen. Ich habe es aber in seinem Konversationslexikon nachgeschlagen, weshalb
er mich mitten in meinen Tränen Kaiserliche Majestät nannte. Die Frau Kaiserin
Maria Teresia meinte er mit mir und hatte wohl nicht unrecht.«
    »Moriamur pro rege nostro Maria Teresia«, brummte Stopfkuchen. »Sie will
die Schmeichelei bloß wieder hören in deiner Gegenwart, Eduard.«
    »Der Doktor hatte mich wohl getröstet, dass es für diesmal noch nichts auf
sich habe, und der Vater war auch schon wieder aus dem Bett und ging an meinem
Arm und an einem Stocke herum, aber dass er sein gesundes Menschenverständnis
ganz und völlig wiedererhalte, das wollte der Doktor mir nicht versprechen. Auf
alles musste ich mich für ihn besinnen, für alles, was er sagen wollte, die Worte
finden. Und er wollte immer reden und mir so vieles sagen und hatte doch für
nichts mehr das richtige Wort. Und von keinem Menschen, und wenn er noch so gut
wusste, wie er hieß, konnte er den richtigen Namen finden. Da erfand er auch
neue, o was für schlimme für alle seine Bekannten!«
    »Höre sie nur, Eduard!« rief Stopfkuchen.
    »Nein, hören Sie sie nicht, Herr Eduard, sondern lassen Sie mich so schnell
als möglich hierüber wegkommen. Ach ja, und der Knecht hatte mir an dem ganz
besonderen Nachmittage wieder mal die Faust unter die Nase gehalten und die Magd
mir den Kochlöffel vor die Füße geworfen. Einen von den Hunden wenigstens hatte
ich ja immer bei mir, um mich mit ihm im letzten Notfall zu wehren; aber an dem
Sonntage hatten sie mir auch gedroht, sie mir alle zu vergiften. Ei freilich,
wenn sie dieses ausgeführt hätten, ehe Heinrich kam, so wäre ich freilich bis
dahin ganz verraten und verkauft und in ihren Händen gewesen.«
    Es lässt sich nicht schildern, wie ruhig die Frau alles dieses jetzt
erzählte: man musste sie dabei sehen, ansehen. Stopfkuchen stopfte seine Pfeife
aus einer Schweinsblase, die er mühsam, ächzend
