 dem einen
Morgen hat es gemacht, dass mich mein Gewissen doch verhältnismäßig in Ruhe
gelassen hat, dass aber dafür mir und dem Herrn Papa die schwere, schwere
Lebenslast aufgeleget worden ist. - Hm, hm, Störzer, es lässt sich hören, was Sie
da sagen; aber ein etwas zu gemütliches und jedenfalls sehr bequemes Gewissen
ist's doch, was Sie in Ihrer Brust tragen. Ihre Posttasche da könnte ungefähr
dieselben Gefühle wie Sie für den Inhalt der Briefschaften in ihr hegen. - Ich
verstehe nicht recht, was Sie meinen, Herr Schaumann, und wie es in so
schrecklichen Sachen mit anderen ist, weiß ich auch nicht; aber eines weiß ich,
dass es ja nun heraus ist und durch Ihre gütige Vermittlung die Menschheit sich
ja nun wird beruhigen können. Und was den lieben Herrgott angeht, ach Gott, so
muss ich mich in bitterer Reue damit vertrösten, dass er Kienbaum gekannt hat und
mich in meinen jungen Jahren auch gekannt hat und besser als ein anderer
Bescheid weiß, wie es gekommen ist. - Jawohl, aber besser Bescheid möchte doch
auch ich jetzt darum wissen. - Was Sie nachher mit mir machen wollen, das liegt
ja nun ganz bei Ihnen. Um mich selbst ist es mir nicht mehr - Kinder und
Kindeskinder müssen aber zusehen, wie sie sich mit dem Geruch, den der alte
Großvater ihnen hinterlässt, abfinden. So ein oder zwei Jahre fehlen wohl noch an
der Verjährung. Ich dachte, ich brächte es noch bis dahin! Aber das ist nun eben
wieder mal ganz anders gekommen. Also, wenn auch nur des Herrn Schwiegervaters
wegen, tun Sie, was Sie müssen, Herr Schaumann, und für recht halten! - Darüber
später. Erzählen Sie jetzt, wie die Sache war und sich zugetragen hat. - Ach,
das ist es ja grade, dass da gar nicht viel zu erzählen ist, so schlimm es auch
ausgegangen ist. Es ist nicht einmal über ein Mädchen oder über Geld und
Geldeswert, wie es sonst zwischen anderen zugeht, zwischen uns beiden
hergekommen. Es hat sich nur bloß gemacht durch den bösen Feind, wie es sich hat
machen sollen. Wir sind nämlich in einem Alter, Kienbaum und ich, und haben in
zwei Wiegen gelegen, die sozusagen Wand an Wand standen, und sind miteinander
aufgewachsen und haben einer den andern ganz genau kennenlernen können. Es war
nicht viel an ihm, Herr Schaumann, und es ist mir diese lieben langen Jahre
durch manchmal wenigstens ein kleiner Trost gewesen, wenn ich dieses Wort über
ihn auch aus anderer Munde habe vernehmen dürfen. - Ein sauberer Trost,
unglückseliges Menschenkind! - Jawohl, unglückseliges Menschenkind! Da haben Sie
recht; aber dafür und
