 Fall geknüpft, und so
auch bei mir. Was würdest du in meiner Stelle auf die Frage in diesem Falle
getan haben, Eduard?«
Es kommt wirklich nichts darauf an, was ich damals geantwortet habe oder
antworten konnte. Es genügt, dass er, wahrscheinlich ohne meine Antwort
abzuwarten, fortfuhr: »Was mich anbetrifft, so glaubst du sicherlich, dass ich
wieder zuerst zu meiner Frau ging, irrst dich jedoch. Diesmal ging ich zuerst
hinten in die Kammer zu meinem Riesenfaultier, besah mir dessen saubere Reste
noch einmal und sagte: Alter Gesell, was hätte es denn dir gemacht, wenn
Stopfkuchen ein paar Wochen oder ein paar Jahre dich später aufgedeckt hätte?
Und nachdem das gute Tier mir die genügende Antwort gegeben hatte, ging ich
wieder zum Tinchen und besah auch das mir wieder einmal genau, von der Frisur
bis zu den Schuhspitzen; und dabei dachte ich denn ausnahmsweise auch mal ein
bisschen an mich. Ich streichelte dem Herzen die Backen: so unsägliche Mühe hatte
es mich gekostet, dies behagliche, reinliche, zierliche Rom aufzuerbauen - und
nun sollte das alles umsonst sein? Und warum? Wegen wessen? Wofür und wozu?
Kienbaums wegen? Der ewigen und der menschlichen Gerechtigkeit wegen? Ich sah
mir mein Weib an, sah mir die Zeitgenossenschaft an und nahm jeden aus der
letztern, soweit sie um die Rote Schanze herum wohnte, vor. Um nachher von der
Gesamtheit keinen Vorwurf zu verdienen, nahm ich es mit jedem einzelnen ernst;
und - ich fand nicht einen drunter, dem ich persönlich verpflichtet gewesen
wäre, ihm sofort bekanntzumachen, wer in der Tat Kienbaum totgeschlagen hatte.
Aber die ewige Gerechtigkeit? wirst du fragen, Eduard. Ja, sieh mal, lieber
Freund, in deren Belieben hatte es, meiner Meinung nach, denn doch lange genug
gelegen, das Ihrige zur Sache zu tun. Da sie es nicht getan hatte und den Vater
Quakatz allein hatte suchen lassen, so hatte sie von seinem Schwiegersohn gar
nichts zu verlangen: ich aber durfte sie dreist ersuchen, jetzt meine Frau mit
den widerwärtigen Geschichten wenigstens so lange, als es gar nicht anders ging,
in Ruhe und Frieden zu lassen. Blieb also nur die Frage: Aber du? Nämlich ich,
lieber Eduard - Heinrich Schaumann, genannt Stopfkuchen. - Dir sitzt doch nun
mal der Floh im Ohr, Heinrich! Willst und kannst du ihn wirklich ruhig sitzen
lassen, ohne den Kitzel wenigstens wegzujucken? Ein Gott hätte man sein müssen,
um das zu können, und, wie ich mich auch schätzte, auf diesen hohen Standpunkt
oder bis zu dieser, wenn du lieber willst, Dickfelligkeit hatte ich mich noch
nicht erhoben, und da sagte ich mir denn:
