, lächelte trotz
ihrer Aufregung und durch ihre Tränen Frau Valentine. »Das heißt«, fuhr sie dann
aber doch, zärtlich allem Missverständnis vorbeugend, fort, »dass er das Leben und
sein Gutes hastig und gierig in sich hineinstopfe, kann man wirklich auch nicht
sagen. O nein, wie er sich die gehörige Zeit beim Essen nimmt, so tut er's auch
in allen anderen Angelegenheiten und Dingen. Wir erfahren's ja eben grade zu
jetziger Stunde im allerhöchsten Masse! Aber er ist nun einmal so, und dass ihn
der liebe Gott so zu meinem Besten erschaffen hat, davon bin ich nicht bloß im
großen und ganzen fest überzeugt. Ich hoffe es in meinen stillen, liebsten
Stunden gleichfalls, dass ich auch meinerseits so von der Vorsehung, wie ich bin,
für ihn gemacht bin und dass es wohl auch ihm recht einsam und elend in der Welt
wäre, wenn er mich nicht darin gefunden hätte! Aber dass wir hier auf der Roten
Schanze jedermann draußen als ein wunderliches, wunderliches Gespann vorkommen
müssen, das glaube ich jedem, der es mir sagt, auf sein Wort, da ich es mir
selber oft genug selbst sage... Liebster Himmel, ist er denn schon mit seinem
Anzuge fertig, ohne mich dreissigmal dazugerufen zu haben, selbst wenn er bloß
auf seine versteinerten Knochenexpeditionen gehen will? O Gott, jaja, auf welche
noch ältere und viel schlimmere Totengräberei will er aber auch jetzt gehen?!«
    Da war er wieder. Halb Pfarrherr, halb Landbebauer; aber ganz der dicke
Schaumann! - Er trug jetzt einen langen, schwarzen Lastingrock, eine
aufgeknöpfte Sommerweste, ein loses Halstuch, einen breiträndigen braunen
Strohhut und war in seinen hellen Sommerhosen geblieben. Einen derben Gehstock
führte er auch mit sich und hatte ihn jedenfalls zu seiner Stütze nötig.
Gegenwärtig aber nahm er ihn unter den einen Arm und legte den andern um sein
Weib.
    »Küsse mich, Andromache, und sich mir nach von der Mauer von Ilion; aber
ängstige dich um Gottes willen nicht um mich. Den hellumschienten Achaier von da
unten möchte ich sehen, der es fertigkriegte, Patroklos' Schatten zu Ehren und
zur Rache den dicken Schaumann um seinen Burgwall herum in Trab oder Galopp zu
bringen. Da hast du noch einen Kuss, und nun lass mich aus deinen Armen. Ich gehe
dir mein Wort drauf, ich komme heil und möglichst unverschwjetzt wieder nach
Hause und bringe dir auch, wenn nichts Hübsches, so doch recht Beruhigendes mit.
Eduard wird dabeisein, wie ich das Blut bespreche, Kienbaums Manen Genugtuung
verschaffe und auch meinerseits die Erinnyen veranlasse, endlich hübsch die Tür
hinter sich zuzumachen und die Rote Schanze in Ruhe zu lassen.«
    Ich
