 trachten, eifersüchtig die Ehre des Landes
hüten, uns angetanen Schimpf rächen -«
    »Kurz,« unterbrach ich, »nach dem kriegerischen Grundsatze handeln: dem
Feind - das ist nämlich jeder andere Staat - tunlichst zu schaden und, wenn ein
Streit entsteht, so lange hartnäckig behaupten, dass man im Recht ist, - auch
wenn man sein Unrecht einsieht, nicht wahr?«
    »Allerdings.«
    »Bis beiden Streitenden die Geduld reißt und drauf losgehauen werden muss ...
es ist abscheulich!
    »Das ist doch der einzige Ausweg. Wie anders soll denn ein Völkerstreit
geschlichtet werden?«
    »Wie werden denn Prozesse zwischen einzelnen gesitteten Menschen
geschlichtet?«
    »Durch das Tribunal. Die Völker unterstehen aber keinem solchen.«
    »Ebensowenig wie die Wilden,« kam mir Doktor Bresser zu Hilfe. »Ergo sind
die Völker in ihrem Verkehr noch ungesittet und es dürfte wohl noch lange Zeit
vergehen, bis sie dazu gelangen, ein internationales Schiedsgericht
einzusetzen.«
    Dazu wird es nie kommen,« sagte mein Vater »Es gibt Dinge, die nur
ausgefochten und nicht ausprozessiert werden können. Selbst wenn man versuchen
wollte, ein solches Schiedsgericht zu errichten - die starken Regierungen würden
sich demselben ebensowenig beugen, wie zwei Edelleute, von denen der eine
beleidigt worden, ihre Differenz zu Gericht tragen. - Die schicken einander
einfach ihre Zeugen und schlagen sich rechtschaffen.
    »Das Duell ist aber auch ein barbarischer, unsittlicher Brauch -«
    »Sie werden's nicht ändern, Doktor.«
    »Ich werde es aber wenigstens nicht guteissen, Excellenz.«
    »Was sagst denn Du, Friedrich?« wandte sich nun mein Vater an den
Schwiegersohn. »Bist Du etwa auch der Ansicht, dass man nach einer erhaltenen
Ohrfeige zu Gericht gehen soll und um 5 fl. Schadenersatz klagen?«
    »Ich würde es nicht tun.«
    »Du würdest den Beleidiger fordern?«
    »Versteht sich.«
    »Aha, Doktor - aha, Marta,« triumphierte mein Vater, »hört Ihr? Auch
Tilling, der doch kein Freund des Krieges ist, gibt zu, ein Freund des Duells zu
sein.«
    »Ein Freund? Das habe ich nie behauptet. Ich sagte nur, dass ich gegebenen
Falls selbstverständlich zum Duell greifen würde - wie ich es übrigens auch
schon ein und das andere Mal getan; gerade so selbstverständlich, wie ich schon
mehreremale in den Krieg gezogen, und bei dem nächsten Anlass wieder ziehen
werde. Ich füge mich den Satzungen der Ehre. Damit will ich aber keineswegs
gesagt haben, dass diese Satzungen, wie sie unter uns bestehen, meinem sittlichen
Ideal entsprechen. Nach und nach, wenn dieses Ideal die Herrschaft gewinnt, wird
