 verteidigen, und diese Anderen,
zumal wenn sie reich sind, ruhig zu Hause bleiben dürfen? Nein, nein - mit dem
neuen Gesetz wird das aufhören. Da gibt es kein Loskaufen mehr - da muss Jeder
mittun. Und gerade die Gebildeten, die Studenten, solche, die etwas gelernt
haben, die geben intelligente und daher auch sieghafte Elemente ab.«
    »Bei dem Gegner sind dieselben Elemente vorhanden - also heben sich die
durch gebildete Unteroffiziere zu gewinnenden Vorteile. Dagegen bleibt -
gleichfalls auf beiden Seiten - der Verlust an unschätzbarem geistigen Material,
welches dem Lande dadurch entzogen wird, dass die Gebildetsten - diejenigen,
welche durch Erfindungen, Kunstwerke oder wissenschaftliche Forschungen die
Kultur gefördert hätten - in Reih' und Glied als Zielscheiben feindlicher
Geschütze aufgestellt werden.«
    »Ach was - zu dem Erfindungmachen und Kunstwerkproduzieren und
Schädelknochen-Untersuchungen - Alles Dinge, welche die Machtstellung des
Staates um kein Quentchen vergrößern -«
    »Hm!«
    »Wie?«
    »Nichts, bitte, fahren Sie fort.«
    »- dazu bleibt den Leuten noch immer Zeit. Sie brauchen ja nicht ihr ganzes
Leben lang zu dienen - aber ein paar Jahre strammer Zucht, die tun sicherlich
Allen gut und machen sie zur Ausübung ihrer übrigen Bürgerpflichten nur desto
befähigter. Blutsteuer müssen wir nun einmal zahlen - also soll sie unter Allen
gleich verteilt werden.«
    »Wenn durch diese Verteilung auf den Einzelnen weniger käme, so hätte das
etwas für sich. Das wäre aber nicht der Fall - die Blutsteuer würde da nicht
verteilt, sondern vermehrt. Ich hoffe, das Projekt dringt nicht durch. Es ist
unabsehbar, wohin das führte. Eine Macht wollte dann die andere an Heeresstärke
überbieten und endlich gäbe es keine Armeen mehr, sondern nur bewaffnete Völker.
Immer mehr Leute würden zum Dienst herangezogen, immer länger würde die Dauer
der Dienstzeit, immer größer die Kriegssteuerkosten, die Bewaffnungskosten ...
Ohne miteinander zu fechten, würden sich die Nationen durch Kriegsbereitschaft
alle selber zu grunde richten.«
    »Aber lieber Tilling, Sie denken zu weit!«
    »Man kann niemals zu weit denken. Alles was man unternimmt, muss man bis zu
seinen letzten Konsequenzen - wenigstens soweit, als der Geist reicht,
auszudenken wagen. Wir verglichen vorhin den Krieg mit dem Schachspiel - auch
die Politik ist ein solches, Excellenz, und das sind gar schwache Spieler,
welche nicht weiter denken als einen Zug, und sich schon freuen, wenn sie sich
so gestellt haben, dass sie einen Bauer bedrohen. Ich will den Gedanken, der sich
unablässig steigernden Wehrmacht und der Verallgemeinerung der Dienstpflicht
sogar noch weiter ausspinnen, bis zu der äußersten Grenze - bis zu jener
nämlich, wo das Maß übergeht. Wie dann
