 Die Geschichte, wie sie bisher geschrieben wurde, hat noch niemals anders
gerichtet, als dass sie dem Erfolge huldigte. Derjenige, der aus dem Kriege als
Sieger hervorgeht, vor dem fällt die historienskribbelnde Gilde in den Staub und
preist ihn als den Erfüller einer »Kulturmission«. Und »vor dem Richterstuhl
Gottes, des Allmächtigen«? Ja, ist es denn dieser selber nicht, der stets als
der Lenker der Schlachten hingestellt wird - geschieht denn mit dem Ausbruch
sowohl als mit dem Ausgang jedes Krieges nicht eben dieses Allmächtigen
unverrückbarer Wille? O Widerspruch über Widerspruch! Ein solcher muss sich eben
überall einstellen, wo unter Phrasen die Wahrheit versteckt werden soll, wo man
zwei einander aufhebende Prinzipien - wie Krieg und Gerechtigkeit, wie Völkerhass
und Menschlichkeit, wie Gott der Liebe und Gott der Schlachten - nebeneinander
gleich heilig halten will.
    Und Benedek sagt:
    »Wir stehen einer Streitmacht gegenüber, die aus zwei Hälften
    zusammengesetzt ist: Linie und Landwehr. Erstere bilden lauter junge Leute,
    die, weder an Strapazen und Entbehrungen gewöhnt, niemals eine bedeutende
    Kampagne mitgemacht haben. Letztere besteht aus jetzt unzuverlässigen,
    missvergnügten Elementen, die lieber die eigene missliebige Regierung stürzen,
    als gegen uns kämpfen möchten. Der Feind hat infolge langer Friedensjahre
    auch nicht einen einzigen General, der Gelegenheit gehabt hätte, sich auf
    den Schlachtfeldern heranzubilden. Veteranen von Mincio und Palestro, ich
    denke, ihr werdet unter euren alten bewährten Führern es euch zur besonderen
    Ehre rechnen, einem solchen Gegner auch nicht den leisesten Vorteil zu
    gestatten. Der Feind prahlt seit langer Zeit mit seinem schnellen
    Kleingewehrfeuer - aber, Leute, ich denke, das soll ihm wenig Nutzen
    bringen. Wir werden ihm wahrscheinlich keine Zeit dazu lassen, sondern
    ungesäumt ihm mit Bajonett und Kolben auf den Leib gehen. Sobald mit Gottes
    Hilfe der Gegner geschlagen und zum Rückzug gezwungen sein wird, werden wir
    ihn auf dem Fuße verfolgen und ihr werdet in Feindesland euch ausrasten und
    diejenigen Erholungen im reichlichsten Masse in Anspruch nehmen, die sich
    eine siegreiche Armee mit vollstem Rechte verdient haben wird.«
Prinz Friedrich Karl endlich spricht:
    Soldaten! Das treulose und bundesbrüchige Österreich hat ohne
    Kriegserklärung schon seit einiger Zeit die preußischen Grenzen in
    Oberschlesien nicht respektiert. Ich hätte also ebenfalls ohne
    Kriegserklärung die böhmische Grenze überschreiten dürfen. Ich habe es nicht
    getan. Heute habe ich eine betreffende Kundgebung überreichen lassen und
    heute betreten wir das feindliche Gebiet, um unser eigenes Land zu schonen.
    Unser Anfang sei mit Gott. (Ist das derselbe Gott, mit dessen Hilfe Benedek
    versprochen hat, den Feind mittels Bajonett und Kolben zurückzuschlagen?
    ...) Auf ihn lasst uns unsere Sache stellen, der die Herzen der Menschen
    lenkt, der die Schicksale der Völker und den Ausgang der
