 ab. Mit diesem dunklen Untergrunde, den
weißen Fingern, dem blassgelben Teint und dem schwarzen Haar Hedwigs bildete es
eine Farbengruppe voll einfach-bizarrer Plastik.
    Adam aber begann also zu sprechen - allerdings nicht ohne vorher noch einmal
im Stillen bedauert zu haben, dass ihm keine gute Zigarre die Rede begleiten und
würzen sollte -:
    »Sie beurteilen mich vielleicht doch etwas zu sehr nach sich, Herr Doctor -
verzeihen Sie, dass ich sogleich mit einer deductio ad personam beginne. Es
klingt ein Wenig paradox, enthält jedoch sehr viel Richtiges, wenn ich behaupte,
dass wir, das heißt: ich und verschiedene Andere meiner Generation - wir sind
übrigens so frech, uns immerhin zu den Besten des jungen Nachwuchses zu zählen!
- also dass wir mit dem Momente - ich möchte beinahe sagen: angefangen haben, mit
dem Sie und mit Ihnen gewiss Unzählige Ihrer Generation aufhören. Ihre
Entwicklung hat sich den individuellen Verhältnissen gemäß, von denen Sie
ausgingen, ganz organisch, ganz normal vollzogen. Aber die unsere nicht minder.
Zu Ihren Resultaten sind wir in unserem Gedanken- und Gefühlsleben schon vor
Jahr und Tag gelangt. In einem Punkte mögen Sie allerdings Recht haben: die
Jugend, das heißt: unsere allerdings vielfach lädirte, durchbrochene,
beeinträchtigte Kräftegruppe, lässt sich nicht verleugnen - sie muss sich nach den
natürlichen Gesetzen alles Geschehenen auslösen und in Handlungen umsetzen. So
arbeiten wir trotz all' unserer Müdigkeit ... und Blasierheit - arbeiten ...
einmal zielbewusst ... zumeist aber nur im Zwange jenes sogenannten
metaphysischen Stadiums, wo das Individuum über sich hinausgeht ... wo sein
Wille waltet und wirkt, ohne jedoch eine klare Tendenz zu besitzen. So sind wir
denn vorwiegend auch in der Arbeit Aestetiker - den etischen Effekt bedingen
ja so wie so die Gesetze, nach denen der sociale Zellenverband funktionirt! .
Aber wir arbeiten eben ... wenn auch stets der Gefahr ausgesetzt, das uns eine
schwere, dunkle Stunde der Verzweiflung ... des erneuten Durchschauens ... der
gespanntesten Sammlung und klarsten Umsicht in alle Horizonte - dass uns eine
solche Stunde, sage ich, die Waffe zur letzten, realsten und ... reellsten
Abfuhrtat in die Hand presst ... die Waffe, die wir als Sklaven kleinlicher
Umstände und Verhältnisse so oft schon bei Seite werfen mussten ... Es ist eben
nicht nur sehr gut möglich - es ist sogar beinahe selbstverständlich, dass eine
Erkenntnis einmal so intensiv und überzeugend wirkt, dass unter ihrem heißen
Atem auch die letzte Rücksicht und Beanstandung dahinschmilzt ... Dann ist's
eben aus - dann heißt es nur noch: tirez le rideau! La farce est jouée! - wir
empfehlen uns auf gut Rabelais
