 neue Stellung suchen, und zwar endlich eine,
wo ich verdiene. Getrost könnte ich auf Grund meiner Kenntnisse die
Bewirtschaftung eines großen Gutes selbständig übernehmen; es fragt sich nur, ob
ich einen unserer Standesherren bereit finde, mir eine solche Stellung
anzuvertrauen. Mache Dir aber keine Sorgen, schreibe auch Arnold nichts. Ich
kann hier bleiben, bis ich etwas anderes habe. Du hast mir lange nicht
geschrieben; lass mich wissen, wie es Dir und dem Kleinen geht und ob Du kürzlich
Nachrichten von Arnold hattest. Mit den innigsten Grüssen, Dein Joachim. Frage
doch 'mal bei Fanny Förster an, vielleicht weiß die eine Vakanz, wo ich
einrücken könnte.«
    Fanny lachte.
    »Weshalb lachst Du?« fragte Adrienne; »ich finde es nicht sehr heiter, dass
Joachim ohne Stelle ist. Arnold hätte ihn nicht Landwirt werden lassen dürfen;
es ist so aussichtslos.«
    »Ich lache,« sagte Fanny belustigt, »weil ich mir aus diesem herzlich
unbedeutenden Brief doch den ganzen guten, liebenswürdigen und vielleicht ein
bisserl leichtsinnigen Jungen zusammenkonstruire. Dieser Zwischenruf arme
Kleine! ist köstlich. Und dann lache ich, weil ihm im Postskriptum Fanny Förster
einfällt und weil diese eminent praktische Frau natürlich Rat weiß.«
    »Wie, Du wüsstest eine Stelle?«
    »Ich schaffe ihm eine. Meine beiden Güter Mittelbach und Driesa habe ich
bislang von Mittelbach aus selbst verwaltet, mit Hilfe meines alten Freundes,
des Baron Lanzenau. Mancherlei Umstände, von denen Du schon in Mittelbach
Kenntnis erhalten wirst, machen es wünschenswert, dass Lanzenau nach Driesa
übersiedelt und sich so wenig wie möglich um Mittelbach kümmert. Weshalb soll
ich mir nicht die Bequemlichkeit gönnen, einen Verwalter zu nehmen? Ich werde an
Joachim schreiben. Er kennt mich zwar nicht, aber da Arnold eine gute Meinung
von mir hat, hoffe ich, Kredit bei Joachim zu besitzen. Zugleich hast Du ihn,
Deinen nächsten Verwandten, dann um Dich,« setzte Fanny voll Eifer auseinander.
    »Jedes Geschäftsverhältnis zwischen Familienmitgliedern trägt den Keim von
Unfrieden in sich,« sagte Adrienne zweifelnd.
    »O,« sprach Fanny, den Kopf schüttelnd, »ich bin ganz rücksichtslos, immer
und überall, denn das ist am bequemsten für andere und mich.«
    »Dass Du für Joachim erst eine Stellung schaffst, gibt der Sache den Stempel
einer Wohltat,« grollte Adrienne.
    »Keineswegs,« versicherte Fanny, der alsbald nach dem schnellen Entschluss
schon hunderterlei Vorteile der neuen Ordnung einfielen. »Meine Wirtschafterin
geht ohnedies, ich nehme keine neue, und anstatt wie bisher immer in den Feldern
umherzureiten, finde ich im Hause neue Aufgaben. Ich glaube auch, es wird
sparsamer für mein Budget sein.«
