 nochmals verteidigte. - Ein unaufschiebbares Geschäft
zwang ihn, am selben Abend nach Dresden zu reisen, wo er mit einem Kunständler
ein Geschäft zu verhandeln hatte. Aber er wandelte dort wie im Traum umher. Als
er rein zufällig in ein schlechtes Haus geriet, war es ihm unmöglich, auch nur
einen Augenblick dort zu verweilen; er empfahl sich den fidelen Genossen, die
ihn dorthin gelockt, unter einem Vorwand. Ununterbrochen schwebte ihr Antlitz
vor seinen Augen, bleich und in Tränen gebadet. Selbst die Venus von Milo hätte
er in diesem Zustand nicht berührt, wenn sich die Göttin selbst ihm zu Füßen
geworfen. Seine Venus saß in einem einsamen Kämmerlein im Wedding und weinte
sich die Augen blind. Seine Reisetasche schnüren, auf die Bahn stürzen und um
Mitternacht zurückdampfen, war ihm das Werk eines willenlosen Instinkts. - -
        »Diesmal muss ich meinem Entschluss untreu werden, indem ich Ihnen wieder
        schreibe und wenn ich Sie nicht kennen würde und nicht wüsste, dass Sie
        wankelmutiger sind als ein Schilfrohr, würde ich Ihnen sicher nicht
        mehr geschrieben haben. Vor allem meinen besten Dank für Ihre
        Freundlichkeit in Betreff des Herrn Schneidemühl. Böse bin ich Ihnen
        trotz Ihrer mir unvergesslichen Beleidigung nicht mehr und verzeihen tue
        ich es Ihnen aus ganzen Herzen, ich müsste nicht menschlich fühlen
        können, wenn mir Ihre Zeilen gleichsinnig waren, aber Jemandes Freund
        oder besser Meiner können Sie nicht sein, denn ich weiß genau, wenn
        heute Jemand zu Ihnen kommen würde und Ihnen sagte, ich hätte Dies oder
        Jenes gemacht, wären Sie zu neuen Beleidigungen fähig. Wenn ich Jemand
        gut bin, man könnte mir über die betreffende Person alles
        Menschenmögliche sagen, mein eigenes Fühlen und Denken steht mir immer
        höher, ich würde mir nie in dieser Beziehung eine Blöße geben, für das
        erste schon deshalb nicht, um Anderen nicht zu zeigen, dass man darunter
        leidet, und zweitens, schlecht gemacht ist bald Jemand, aber gut machen
        das geht ja sehr schwer, manchmal auch gar nicht. Trösten Sie sich über
        mein Schicksal es wird wohl wieder anders werden mit Gottes Hilfe. Herr
        Bammer hat mich zu schwer beleidigt, aber der ist auch kein Mensch.
        Gefühle gibt es bei ihm nicht und wenn, dann nur tierische. Ich war
        bei ihm, was Sie schon wissen, und da hat Er mir selbst gesagt, er hat
        beim Kaffee Verluste gehabt, das heißt sie brauchten in Treptow nicht
        mehr soviel als wie ich dort war und Bammer musste ihnen nun die Hälfte
        Bier abnehmen und da sagte Herr Bammer mit diesen Worten ich wollte mich
        rächen. Dies ist allerdings eine sehr edle Rache. Glauben Sie mir wohl
        Herr Roter wenn ich schlecht wäre, dann wäre ich es allerdings so, dass
        Bammer von seiner Person
