 Psychologen wohl ausgeschlossen. Die Logik spricht dafür; denn wer
sich selbstlos bemüht, Andere, die ihm in keiner Weise nützen können, zu fördern
und auf seine Stufe zu heben, der würde auch das Höhere mit gleicher
Neidlosigkeit und Wärme anerkennen.
    Aber das oben berührte Peinliche würde allein mein Wohlwollen noch nicht
erschüttern. Da kommt aber ein andrer Umstand hinzu, welcher freilich in der
Niedrigkeit der Menschennatur begründet. Die von mir Aufgepäppelten nämlich
fühlen mit Unwillen die Last der Dankbarkeit. Sie fühlen ferner, dass das
Vermengen ihres »Entdeckern« mit ihnen selbst, wie es der törichten Welt
beliebt, von diesem selbst nicht gebilligt wird. Den notwendigen Abstand von
ihm, in dem er sie, mehr unbewusst als absichtlich, seinerseits zu halten weiß,
empfinden sie wiederum als eine Kränkung. Seiner Superiorität, welche sie
früher, als sie sich schmeichelnd an ihn wandten, schon dem äußeren
literarischen Verhältnis nach als selbstverständlich anerkennen mussten, hat er
sich durch seine Uneigennützigkeit ja nun selbst entäussert. Und die Welt, die es
natürlich buchstäblich nimmt, wenn der Warmblütige irgend einen beliebigen
Verkannten mit dem schirmenden Schilde »Mein Freund, der hochbegabte X.« deckt,
nennt ja selbst »Leonhart, X., Y., Z. und all die Andern« ruhig in einem Atem -
die Welt muss es ja am besten beurteilen können!
    Von jetztab beschuldigen sie ihn in den Krämpfen ihres heimlichen Neides,
den sie nicht Wort haben möchten, des Grössenwahns, weil er nicht dulden will (so
sehr er sonst auch für sie ins Zeug geht), dass sie ihn (dem sie literarisch
alles verdanken, ja der oft gleichsam ihr litterarischer Erzeuger gewesen ist)
mit frecher Familiarität unter den Arm nehmen. - Nun kommt das Entscheidende!
Ihr »Gönner« hat tausend Feinde. Diese sagen sich, dass es das sicherste Mittel
sei, ihn zu isoliren, wenn sie plötzlich seine früher überall todtgeschwiegenen
oder gar beschimpften Schützlinge zu loben anfangen - auf seine Kosten
natürlich. Und siehe, sie haben sich nicht getäuscht. Unter heuchlerischem Hin-
und Herwenden, knüpfen die werten Genossen und Freunde hinter dem Rücken ihres
Häuptlings mit dessen Todfeinden intime Beziehungen an. Bald naht die Stunde, wo
sie mit manchem Räuspern ihrer verlogenen und undankbaren Gemüter zu verstehen
geben, die Genossenschaft ihres Ruhm-Erzeugers, ohne den doch ihre litterarische
Existenz für die Welt todtgeboren geblieben wäre, compromittire sie. Was sie
voll ihm und seiner Macht genießen konnten, haben sie genossen - jetzt können
sie ja ihren Meister »dreimal verraten« und mit fliegenden Fahnen zum Feinde
übergehn, wo man sie mit heuchelnder Freundlichkeit empfängt.
    Da erhebt sich denn plötzlich der beleidigte Löwe in seinem Grimm und
ohrfeigt sie mit seiner Tatze,
