 »Offen
gestanden, Albin, du gefällst mir ganz und gar nicht; oder vielmehr, du
entsprichst meinen Erwartungen nur zu sehr. Ich lese von dir, ich höre von dir,
und ich schüttle das Haupt und frage mich: Wie muss ein Mensch, der das alles
zusammen-und den Leuten vorträgt, zuletzt aussehen?«
    Halb geschmeichelt und halb erzürnt und jedenfalls in immer noch steigender
Aufregung, erhob sich der Hofrat auf den Ellbogen.
    »Aber auch du, Peter, bist nicht mehr der nämliche wie vor als ich zum
letztenmal das Vergnügen hatte, mit dir zusammen zu sein. Gütiger Himmel, was
hast denn du mit dir angefangen, außerdem, dass auch du nicht jünger im Laufe der
Jahre geworden bist?«
    »Gefreit habe ich und dabei das halbe Gesicht, ein Stück von der Nase und
eine halbe Faust verloren. Meine Frau habe ich begraben; aber beruhige dich,
oder besser, beunruhige dich deshalb nicht im geringsten. Das geht dich durchaus
nichts an. Davon hätten wir vielleicht geplaudert, wenn dich gestern abend meine
Visitenkarte zu Hause getroffen haben werde. Nicht wahr, du hast auch schon
einen Vortrag über Zwischen Lipp' und Kelchesrand gehalten, Brokenkorb? Uns,
uns, Albin, alter Freund, ist etwas dazwischengekommen! Ein Stück altes Eisen
aus dem Kehricht des Lebens! Und da die Zeit drängt, wollen wir über alles
übrige unterwegs reden. Da!... Wie ich beim Durchgehen durch deine Zimmer
bemerkt habe, sammelst du auch kuriose Waffenstücke. Da! Und vielleicht ist das
Ding käuflich. Das wäre etwas für dich ganz im besonderen! In den Handel ist es
wenigstens bereits geraten.«
    Er hatte dem wehrlosen armen Ästetiker die gute Klinge des Leutnants
Hegewisch auf die Bettdecke gelegt und ging und zog die stilgerechten
Fenstervorhänge zurück, um das volle Tageslicht, so gut es der gegenwärtige
Herbsttag zu geben hatte, auf den Jugendfreund und die Jugenderinnerung fallen
zu lassen.
    »Ich verstehe dich wirklich nicht«, seufzte der beliebte Gelehrte in das
Kissen. »Ein bisschen weniger rätselhaft wäre freundschaftlicher, liebster
Uhusen. Was soll das? Ein Offiziersdegen modernster Zeit! Was soll mir das
sagen? Was willst du im besonderen mir damit sagen, bester Freund?«
    Nun hatte er sich mit der Waffe gegen das heller in das Gemach strömende
Tageslicht gewendet, und das scharfe Auge des sachverständigen Liebhabers fiel
auf die eingegrabenen Schriftzeichen.
    »Wie?... Mein Gott, woher hast du das? Wie kommt das in deine Hände?«
    Der schwarze Peter zuckte nur die Achseln.
    »Fridericia - Bau - Kolding! Hegewisch!« murmelte Hofrat Dr. Brokenkorb.
»Der Leutnant Hegewisch!... Erdwine -
