 wir wissen schon,
wann und wo.
    »Sei nur still, Paule«, sagte der Knabe, »solange ich den hier habe, tut uns
keiner was. Ich fürchte mich vor der Mama gar nicht, und für die andern hat sie
mir ja grade diesen aufgehoben und ihn nicht mit unsern andern Sachen verkauft.
Du weißt, wie blank er blitzt, wenn die Sonne scheint, und, guck, ich halte ihn
mit ausgestrecktem Arm schon eine Minute lang, ohne mit der Hand zu zittern.
Wenn ihn der Großpapa aus der Scheide gezogen gehabt hat, haben auf dem
Schlachtfeld viel Tausend Tote um ihn her gelegen. Schlafe du nur ruhig wieder
ein, Paulchen; ich bin wie auf Wache bei dir und auch bei der Mama. Sie kann ja
nichts dafür, dass sie dir Angst macht, und sie hat gesagt, dass sie sich auf mich
verlässt und dass ich ein tapferer Held für dich sein soll.«
    »Und wenn sie die Mama im Wagen abholen, so fahren wir auch mit aus?«
    »Sie haben es mir versprochen. Aber nachher gehen wir in die weite Welt, und
es ist mir einerlei, was sie in der Schule sagen, wenn der Lehrer mich aufruft
und einer von uns Jungens sagt: Er ist nicht da; seine Mutter ist gestorben und
hat ihm seine Schwester anempfohlen, und sein Großpapa war ein berühmter
Offizier in den größten Kriegen, und er ist mit seiner kleinen Schwester und
seines Großvaters Degen in die weite Welt gegangen...«
    Die gute Klinge hatte im hellsten Sonnenschein auf keinem der winzigen
Schlachtfelder diesseits und jenseits des Danewerks je einen solchen Glanz
gegeben wie an diesen dunkeln Tagen, in diesen schrecklichen Nächten! Wie alle
guten, echten Schwerterklingen hatte sie, obgleich sie zuerst nur von einem
»Entusiasten«, einem »Phantasten«, einem »halbwegs närrischen armen Menschen«
geführt worden war, etwas von dem Zauber an sich, der Gram, Mistelteier, Mimung
und Balmung, der der Joyeuse des Kaisers Karl, dem Durandel Rolands des Paladins
und dem Flamberg Richards von Montalban zu einem Leuchten bis in unsere Tage
verholfen hat. Wer weiß, wieviel jene Helden, so jene Degen führten, von ihrer
Begeisterung, ihrer Phantasie und ihrer »Unzurechnungsfähigkeit« an den armen,
törichten Leutnant im Heerbann der meerumschlungenen Herzogtümer Schleswig und
Holstein weitergegeben hatten? Wir lassen keinen Spott auf die Vererbung
menschlicher Würden, Eigenschaften und Eigentümlichkeiten von den Ahnen her, was
die Gelehrten Atavismus nennen, kommen und sind herzlich froh und sehr dankbar
in betreff dessen, was diesmal von dem Großvater auf den Enkel übergegangen ist
mit dem alten Eisen von Bau, Kolding und Fridericia.
    Welcher Lebende war je unter den Toten des
