 den zwei Schimmeln, die ganz in einer Blumengirrlande
gingen? Und die Blumen so dicht, ganz ohne Blatt und Stiehl. So was Schönes hab
ich all mein Lebtag nicht gesehen. Als Kind hätt ich gedacht, es muss eine
Prinzessin sein, aber jetzt weiß ich, dass Prinzessinnen nicht immer die
schönsten sind. Ja, sie war schön und gefiehl Dir, ich sah es wohl, und Du
gefiehlst ihr auch. Aber die Mutter, die neben der schönen Blondine saß, der
gefiehlst Du noch besser. Und das ärgerte mich. Einer ganz jungen gönne ich
Dich, wenn's durchaus sein muss. Aber einer alten! Und nun gar einer Mama? Nein,
nein, die hat ihr Teil. Jedenfalls, mein einziger Boto, siehst Du, dass Du mich
wieder gutmachen und beruhigen musst. Ich erwarte Dich morgen oder übermorgen.
Und wenn Du nicht Abend kannst, so komme bei Tag, und wenn es nur eine Minute
wäre. Ich habe solche Angst um Dich, das heißt eigentlich um mich. Du verstehst
mich schon. Deine Lene.«
    »Deine Lene«, sprach er, die Briefunterschrift wiederholend, noch einmal vor
sich hin, und eine Unruhe bemächtigte sich seiner, weil ihm
allerwiderstreitendste Gefühle durchs Herz gingen: Liebe, Sorge, Furcht. Dann
durchlas er den Brief noch einmal. An zwei, drei Stellen konnt er sich nicht
versagen, ein Strichelchen mit dem silbernen Crayon zu machen, aber nicht aus
Schulmeisterei, sondern aus eitel Freude. »Wie gut sie schreibt! Kalligraphisch
gewiss und ortographisch beinah... Stiehl statt Stiel... Ja, warum nicht? Stiehl
war eigentlich ein gefürchteter Schulrat, aber, Gott sei Dank, ich bin keiner.
Und emphelen. Soll ich wegen f und h mit ihr zürnen? Großer Gott, wer kann
empfehlen richtig schreiben? Die ganz jungen Komtessen nicht immer und die ganz
alten nie. Also was schadt's! Wahrhaftig, der Brief ist wie Lene selber, gut,
treu, zuverlässig, und die Fehler machen ihn nur noch reizender.«
    Er lehnte sich in den Stuhl zurück und legte die Hand über Stirn und Augen:
»Arme Lene, was soll werden! Es wär uns beiden besser gewesen, der Ostermontag
wäre diesmal ausgefallen. Wozu gibt es auch zwei Feiertage? Wozu Treptow und
Stralau und Wasserfahrten? Und nun der Onkel! Entweder kommt er wieder als
Abgesandter von meiner Mutter, oder er hat Pläne für mich aus sich selbst, aus
eigener Initiative. Nun, ich werde ja sehen. Eine diplomatische
Verstellungsschule hat er nicht durchgemacht, und wenn er zehn Eide geschworen
hat, zu schweigen, es kommt doch heraus. Ich will's
