 die Bauerngeschichten
von Maximilian Schmidt als den Gipfel vaterländischer Erzählungskunst und schwur
hoch und teuer, dass mich Dahns Völkerwandrungs-Romane bis zu Tränen gerührt -
während ich in der Tat niemals weder von dem einen noch von dem andern
Schriftsteller ein Buch zu Ende lesen konnte. Ich werde ein Esel sein und gegen
den Strom schwimmen! Was allgemein gelobt wird, hat auch meinen Beifall; so
helfe ich die öffentliche Meinung stärken - und habe in meinen vier Mauern den
Genuss, ungestört meiner eigenen Meinung zu fröhnen und mich meiner besonderen
Liebhaberei doppelt zu freuen.«
    »Du wirst's noch weit bringen. Der Geheimrat ist Dir sicher. Ich bewundere
Dich.«
    »Das hoffe ich. Und wenn ich Dir als guter Kamerad raten darf, schickst Du
Dein impressionistisches Novellen-Manuskript über die Grenze, schon damit Du
daheim der Versuchung überhoben bist, es am Ende gar einem Verlagsbuchhändler
anzubieten. Ich fürchte zwar nicht, dass Du mit diesen gefährlichen Geschichten
Geld verdienen und öffentlich unter die naturalistischen Schriftsteller gehen
willst. Aber gut ist gut und besser ist besser. Man muss sich heutzutag sehr in
acht nehmen, dass man nicht vor lauter Idealität dumme Streiche begeht. Denken
und Handeln ist zweierlei. Frauen können so starkgeistig sein wie sie mögen, das
erhöht ihren Reiz, gibt ihnen etwas Dämonisches; starkgeistige Männer hingegen
werden als Phantasten über die Achsel angesehen. Mit Recht, sag' ich Dir; sie
passen nicht in den Rahmen unseres heutigen Staatslebens. Lass' Dir die Gedanken
und die Locken beschneiden, Schlichting, wir florieren in einer glattgeschorenen
und kurzfrisierten Zeit - und schicke Dein Manuskript, meinetwegen auch Deine
Locken, wenigstens eine Probe davon, nach Italien an Flora Kuglmeier, Du wirst
ihr damit Spaß machen.«
    »Ich staune; diesen geriebenen Meister der Staatskunst hätte ich nun doch
nicht hinter Dir gesucht. Für Dein bemoostes Haupt ist's fast der Schläue
zuviel.«
    »Ja, der kleine Kuglmeier verkauft Euch zehnmal, wenn's auf's Apropo
ankommt, mein Lieber.« Und er wiegte sich auf Fußspitzen und Absatz vor dem
schiefen Spiegel und strich seine bürstenartig kurz geschnittenen aschblonden
Haare, dass sie knisterten. Dann mit einem Dreher gegen Schlichting, der seine
zierlich geschriebenen Manuskriptblätter nachdenklich ordnete und in einen
blauen Aktendeckel barg: »Schockschwerenot, ich sterbe vor Durst, und Du
verwickelst mich noch in diese endlose Plauderei. Hol Dich der Kuckuck, ich habe
Deine Zellenhaft satt. Luft, Luft, Bier, Bier! Kommst nach? Das heißt, wenn Du
mit Deinem Doktor des Pessimismus fertig bist, denn dass ich jetzt noch mit Dir
diesen trostlosen Trostberg besteigen soll, wirst Du mir im Ernste nicht
zumuten.«
    »Wir gehen ja am
