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die Füße auf dem Stuhl, in einem alten Buche mit Kupfern blätternd.
    »Höre, Deine Geschichte vorhin von dem nächtlichen Menschenpaar im Astloch,
nein, auf dem Wurzelast, war sicher nur eine Vision.«
    »Vielleicht.«
    »Übrigens passieren ja tolle Dinge in der Welt.«
    »Unglaubliche.«
    Kuglmeier schob den dicken Schweinslederband unter den Kopf und streckte
sich im Bette aus. Er trommelte mit den Absätzen auf dem unteren Rand der Lade
herum.
    »Deine Zelle hier ist recht gemütlich, da kann man wie ein Benediktiner
ochsen - aber ein anregender Bummel wäre mir lieber. Übrigens möcht' ich nicht
mit Dir tauschen; meine Bude hat den Vorzug eines pikanten vis-à-vis. Darauf
sehe ich immer in erster Linie: abwechslungsreiche Aussicht auf holde
Weiblichkeit. Hier außen ist man ja wie am Ende der Welt, nichts als Natur
ringsum. Und die Einsamkeit! Allerdings die Wäschermadeln ... Wer den Seifen-
und Waschküchengeruch mag ... Wenn sie ordentlich ausgelüftet, reinlich sind sie
ja gewiss und auch nett gekleidet, einladende weiße Schürzchen, vielversprechende
kurze Röckchen und so weiter ... Wie stehst Du denn zur schöneren Hälfte der
Schöpfung da heraussen? ... Keine Antwort ... Natürlich so ein Klosterbruder ...
Bist Du nicht bald fertig? Die Hockerei am Schreibtisch ist wirklich nicht
gesund, glaube mir ... Ich störe Dich, nicht wahr? Hast Du nie den Schreibkrampf
bekommen? Ich habe immer gleich so etwas ...«
    Der kleine Kuglmeier wurde allmählich ungeduldig. Er sprang auf und
beschaute sich im Spiegel, der schief an der Tür hing.
    »Mit meiner Nase scheint eine bedenkliche Umfärbung vorzugehen. Das keusche
Weiß weicht einem schamhaften Rot. Auch die Augen gefallen mir nicht. Unschöne
bläuliche Ringe. Und der müde Schnurrbart ...«
    Schlichting, ohne von seiner Schreiberei aufzublicken: »Natürlich, wenn man
ganze Nächte durchkneipt ... Als Zecher wenigstens bist Du groß ... Pernoctari
... hm ...«
    »Zum Teufel, was schmierst Du denn da zusammen? Dauert's noch lange? Zeig'
mal her!«
    »Gleich!«
    »Ah, mein Lieber, das ist eine harte Geduldsprobe. Weiht was, ich geh'
einstweilen allein - die Isar entlang; es schwant mir, als gäb's im Ketterl oder
nebenan im grünen Baum einen famosen frischen Anstich. Meinst Du nicht? Ich
lass' Dir eine schäumende Ganze steigen. In einer kleinen Stunde bin ich wieder
zurück.«
    »Geht nicht, ist gegen unser Nachmittags-Programm,« entgegnete Schlichting
mit ruhiger Bestimmtheit und steckte eine neue Stahlfeder in den Halter
