 mag nicht mehr. Mir ist alles
zuwider. Ich muss aufs Land, ins Gebirg, in die Einsamkeit, drei, vier Wochen,
ich weiß nicht wohin, wie lange, es wird mir aber wohl tun ... Nicht wahr, Du
findest auch, dass es mir wohltun wird? Dir wird es auch wohl tun, wenn Du den
unausstehlichen Teufel eine zeitlang los hast, gelt? Ach, die Menschensippe! Ich
könnte mir die Lippen blutig beißen, die Fäuste auf dem eigenen Schädel in
Splitter schlagen, aber es hilft nichts. Und dann die kleinen, nichtigen Sachen
des materiellen Lebens, diese Widerborstigkeit, wenn man ihrer habhaft werden
will, und die man doch erringen, die man meistern muss, wenn man der Knechtung
entgehen will, all' dieser Quark, dieser Dreck, der doch wieder die Hauptsache,
ein teuflisches Machtmittel ist, und dieses dämonische Unvermögen, sich von all'
dem Verachteten und Gewünschten, von all dein Gehassten und Ersehnten als
anständiger Mensch loszumachen! Als anständiger Mensch, hörst Du? Denn dass wir
anständig sind, oder dafür gelten, das ist für uns auch eine Art Rache an diesem
hundsföttischen Philistertum. Ich muss aufs Land, aufs Land, aufs Land! Halte
mich nicht zurück, Brigitta, ich beschwöre Dich, hier werde ich verrückt ... Die
Erbärmlichkeiten der Stadtmenschen ...«
    »Gehen Sie nur, in Gottes Namen, aber vorher eine Abrechnung ...«
    »Natürlich, freilich, versteht sich - mit dem Weiler meinst Du doch?« fuhr
er der Alten erregt in die müde Rede. »Ja, das wird besorgt, soweit sich's nicht
in wenigen Wochen von selbst erledigt; da kannst Du ganz ruhig sein. Du bekommst
Deine Abrechnung.«
    »Ich meinte anders ...«
    Er atmete aus. Also wenigstens keine gemeinen Geldfragen, kein widerlicher
Finanzkrieg in Sicht ...
    »Eine moralische Abrechnung ...«
    »Mit jener Frau? Donnerwetter, lass mich in Ruhe, ist längst erledigt.«
    »Ich begreife Ihre schreckliche Hitze und Aufregung nicht. Kann ich ruhiger
reden, als ich's heute tue? Ich sage kein Wort von jener Frau, keine Silbe
mehr. An Ludwig hab' ich gedacht, an Ihren unglücklichen Bruder, an den
drangsalierten Menschen in Amerika.«
    »An den hab' ich schon mehr gewendet, als Du weißt. Ich hab' jetzt kein Geld
für ihn, in diesem Augenblick wenigstens nicht. Nach der andern Abrechnung! Er
soll sich einstweilen von seinen Sozialisten und Anarchisten und ähnlichen
Menschenfreunden helfen lassen ...« Seine Stimme war düster wie sein Blick.
    »Ach, es ist ja alles
