
erstarkt. Welches wird also das Gepräge der neuen Periode sein? Welcher Geist
wird sie beherrschen? Der kunstwidrige Geist der Spekulation, der Geldmacherei.
Und er wird die Architekten in seine Dienste zwingen und die Stadtverwaltung
wird Ja und Amen dazu sagen, wenn nur die sicherheitspolizeilichen und
gesundheitlichen Vorschriften nicht gar zu auffällig umgangen werden. Diese neue
Bauperiode und die ihr anhaftenden eigentümlichen Gefahren hat Joseph Zwerger in
seinem vorausschauenden Künstlergeist erkannt - und eine Frucht dieser
Erkenntnis und des reinen Willens, sie der Entwickellung Münchens in
segensvollster Weise dienstbar zu machen, sind die Zwergerschen Isarpläne. Die
kleinen Rechen- und Baumeister werden zwar die Hände über dem Kopf
zusammenschlagen, aber sie werden nichts an der Tatsache ändern, dass Zwerger
sich als einer der kühnsten Baukünstler des neuen Münchens in seinen Entwürfen
ausgewiesen hat.«
    »Wissen Sie das so gewiss, Herr Pfaffenzeller?«
    »Ich begreife, Herr Kommerzienrat, dass Sie geneigt sind, mich der
Übertreibung, vielleicht gar der Schwärmerei zu zeihen; Sie kennen mich noch zu
wenig. Es genügt mir, wenn Sie daraus wenigstens den Antrieb schöpfen, die
Zwergerschen Pläne eingehend von Sachverständigen prüfen zu lassen und sie nicht
unbeachtet von der Hand zu weisen. Ich habe schon in der Fabrik gehört, dass Sie
mit bedeutenden Kapitalien sich an einer Baugesellschaft beteiligen, wollen ...«
    »Ja, das will ich ... Die Überproduktion im Fabrikbetrieb treibt das Geld
notwendig auf andere Wege. Da sucht man den besten, und als Kunstmäzen und
Münchener Patriot - verstehen Sie -«
    »Glaubt man ihn in der baukünstlerischen Spekulation erblickt zu haben, was
ich vollkommen richtig finde.«
    »Ihre freie Aussprache gefällt mir. Schade, dass wir Herrn Zwerger nicht
persönlich hier haben. Auf schriftlichem Wege kommt man nicht ans Ziel.«
    »Das Nämliche habe ich meinem Vetter längst gesagt. Ich werde ihn
auskundschaften und herzitieren. Man muss zur Stelle sein und für sich selbst und
seine Sache persönlich eintreten.«
    »Wie Sie, Herr Pfaffenzeller! Sie haben mir schön zugesetzt! Glauben Sie
mir, ein solches Auftreten hätte sich der Kommerzienrat Rassler sonst nicht
leicht von einem andern bieten lassen. Sie haben ein ganz verwünschtes Glück,
mich heute gerade in so guter Laune getroffen zu haben. Na, ich werde Ihnen
später noch einmal ordentlich Grobheiten dafür machen, dass Sie mich so erwischt
haben ...« Und der Kommerzienrat schwappelte mit seinem dicken Bauche und
lachte, aber plötzlich wurde sein Gesicht ganz blaurot und er sank, mit den
Armen um sich schlagend, in den Stuhl. Pfaffenzeller ergriff die Wasserflasche
auf dem Serviertischchen und bespritzte ihm die Stirn ... Alle Wetter! Das hat
man von der Fettleibigkeit. Und von dem da: Pfaffenzeller schob
