 zu verdienen! Das Gesindel mag zusehen, wo es in Zukunft
Obdach findet! Es kann ja in irgend einer Arbeiterkaserne Unterschlupf suchen!
Luxuriöse Herrschaftswohnungen herzustellen, das verspricht diesen Herren vom
Raubbauwesen ein besseres Geschäft, als das Erbauen von zweckmässigen Wohnungen
für Arbeiter, kleine Beamte und andere Angehörige unserer Weißen
Kultursklaverei. Was brauchen diese armen Schlucker überhaupt zu wohnen und
Familienwohnungsbedürfnisse zu entwickeln? Es ist auch weit sicherer und
angenehmer, eine Wohnung um 1200 Mark zu vermieten an eine sogenannte seine
Partei, als drei Wohnungen zu 400 Mark an Leute, die es trotz aller Anstrengung
nicht weiter bringen, als von der Hand in den Mund zu leben. Dies ist der
Standpunkt des Münchener Hausbesitzervereins, der natürlich nicht müde werden
wird, die Bebauung der Isarufer so zu beeinflussen, wie es in seinen
Interessenkram passt. Die Vertreter von Gemeinde und Staat kümmern sich ja nicht
um die soziale Seite der Bausachen. Dass bei dieser Wohnungsfrage hohe sittliche
Güter des Volkes auf dem Spiele stehen, kommt keinem dieser Herren in den Sinn.
Die Macht des Kapitals rechnet nicht mit sittlichen Werten. Trotzdem wagen wir's
unsere Stimme zu erheben ... Wagt es immerhin, ihr Krakehler vom Volksverein im
Lehel ... Was geht denn mich diese ganze Geschichte an? Sehe ich denn aus wie
einer, der die Rolle eines Wortführers für die sozialdemokratischen Wühlhuber
spielen und ihre umstürzlerischen Bestrebungen bei der Münchener Finanzwelt
vertreten möchte? Oder soll ich Baugesellschaften für Arbeiterpaläste gründen,
wo sich die armen Teufel einnisten und ihren Mietzins schuldig bleiben können?
Es ist unglaublich, was sich diese Leute für freche Abgeschmackteiten in den
Kopf setzen. Sind das Zustände: auf der einen Seite wird man von den Künstlern
und Architekten mit der Forderung belästigt, möglichst großartig und kostspielig
zu bauen und die Millionen nur so auszustreuen, auf der andern Seite wird man
von den roten Arbeitern ermahnt, in erster Linie auf ihre Bequemlichkeit zu
denken ...! Da soll man nicht wild werden.«
    Eben wollte Rassler dem Diener klingeln, als dieser schon hereinkam und
meldete, dass ein Herr Pfaffenzeller den Herrn Kommerzienrat zu sprechen wünsche.
    »Nichts da, jetzt wird ausgefahren. Pfaffenzeller? Den kenn' ich gar nicht.
Er soll in die Fabrik kommen, wenn er Geschäftliches vorzutragen hat.«
    »Der Mann kommt von der Fabrik. Er bittet dringend. Er will sich nicht
abweisen lassen.«
    »Er will nicht? Den Menschen möcht' ich mir doch ansehen, der nicht will,
wenn ich will. Ich bin nicht da, verstanden?«
    »Doch, Sie sind da, Herr Kommerzienrat,« sprach mit wohlklingender Stimme
ein junger Mann, dessen intelligentes Gesicht schmerzliche Entschlossenheit
ausdrückte. Sein Anzug wie sein Auftreten verrieten
