 höhlt den härtesten Stein. Sie ist eine Ohnmacht, wenn - - doch davon
ein andermal. Kommen wir auf unsern Münchener Fall und erlauben Sie mir - wollen
Sie nicht Platz nehmen? nein? nach Belieben! - dass ich etwas weiter aushole, es
kann zur Förderung Ihres Manuskriptes nur nützlich sein. Es liegt mir in der
Tat daran, Ihnen meine Erfahrungen und Erkenntnisse gerade auf diesem Gebiete
zu novellistischer Verwertung möglichst umfassend mitzuteilen. Sie können ja
alles kontrollieren und brauchen sich nichts aufbinden zu lassen. Ja, Sie sollen
alles kontrollieren! Man soll keinem Menschen aufs Wort glauben in Dingen, die
man mit eigenen Sinnen erforschen und durchprüfen kann. Und nun bietet sich
Ihnen ja die denkbar schönste Gelegenheit, Ihre impressionistische, prüfende und
nachbildende Kraft zu erproben. Ich habe jetzt keine Zeit und keine Lust, solche
Geschichten nach der Natur zu schreiben. Ich hätte vielleicht auch gar nicht das
notwendige Handwerkszeug dazu. Ich bin Dramatiker und nicht Novellist. Sie sind
noch keines von beiden, aber Sie fühlen den Drang, als Novellist wenigstens
einen Versuch zu machen. Wohlan denn! Und Sie wollen keine schon millionenfach
geschriebene banale Liebesgeschichte vom Hans und seiner Grete schreiben,
sondern - etwas anderes. Auch keine krachledernen Hosenfabeleien aus dem
dichterisch schon ganz zermürbten bayerischen Hochgebirg, keine Salontirolerei
oder sonst eine troddelhafte Volksmünchhausiade, wie sie noch immer schockweise
von den geriebenen Erfolgsspezialisten, die mit anderthalb Ideen zwanzig Bände
vollschreiben, auf den Markt geschleudert werden. Das gefällt mir. Was es wird,
wird sich ja am Ende zeigen. Zunächst gilt es: frisch zu wagen und nach echten
Dokumenten zu arbeiten. Da setzt meine Handreichung ein ... Ohne die berühmte
Liebe werden wir dabei freilich nicht auskommen. Denn wenn wir, nur einen
Goeteschen Ausdruck zu nehmen, ein wahres Bild des beschatteten, buntgrauen
Erdenlebens entwerfen wollen, müssen wir unseren Pinsel auch in jenen unheimlich
gemischten Farbentopf tauchen, den uns die schlimme Teufelin Venus aus ihrem
Schoße darreicht. Was nun dazu Eigenerlebtes gehört, das müssen Sie sich selbst
erwerben. Auch die wichtigste Zutat, warmes, rotes Herzblut, können Sie nicht
aus zweiter Hand empfangen, das müssen Sie sich heissdampfend aus der eigenen
Brust abzapfen. Aber vergeuden Sie die kostbaren Tropfen nicht. Aphrodite, die
schöngelockte, mache es gnädig mit Ihnen! Hüten Sie sich vor den blassen,
blonden Lotosblumen, auch vor den roten, berauschend duftigen Nelken: die gehen
bis ans Mark. Eine volle, üppige Rose, dornenbewehrt, das erträgt sich am
besten. Und für das Studium reicht's. Unsere alten Helden nahmen ein blankes
Schwert mit aufs Minnelager: ein Stock, oder eine Peitsche tut's auch - - -
Unsere Liebesproblemdichter, die auf kaltem Verstandeswege arbeiten
