 wieder an,
»dann müssten wir ja um gar nichts beten, weil der liebe Gott ja schon immer
etwas viel Besseres im Sinn hat, als wir wissen und wir von ihm erbitten
wollen.«
    »Ja, ja, Klara, meinst du, es gehe dann nur so?« eiferte jetzt das Heidi.
»Alle Tage muss man zum lieben Gott beten und um alles, alles; denn er muss doch
hören, dass wir es nicht vergessen, dass wir alles von ihm bekommen. Und wenn wir
den lieben Gott vergessen wollen, so vergisst er uns auch; das hat die Grossmama
gesagt. Aber weißt du, wenn wir dann nicht bekommen, was wir gern hätten, dann
müssen wir nicht denken: der liebe Gott hat nicht zugehört, und ganz aufhören,
zu beten, sondern dann müssen wir so beten: Jetzt weiß ich schon, lieber Gott,
dass du etwas Besseres im Sinn hast, und jetzt will ich nur froh sein, dass du es
so gut machen willst.«
    »Wie ist dir das alles so in den Sinn gekommen, Heidi?« fragte Klara.
    »Die Grossmama hat mir's zuerst erklärt und dann ist es auch so gekommen und
dann hab' ich's gewusst. Aber ich meine auch, Klara«, fuhr das Heidi fort, indem
es sich aufsetzte, »heute müssen wir gewiss dem lieben Gott noch recht danken,
dass er das große Glück geschickt hat, dass du jetzt gehen kannst.«
    »Ja gewiss, Heidi, du hast recht, und ich bin froh, dass du mich noch
erinnerst; vor lauter Freude hätte ich es fast vergessen.«
    Jetzt beteten die Kinder noch und dankten dem lieben Gott jedes in seiner
Weise für das herrliche Gut, das er der so lange krank gewesenen Klara geschenkt
hatte.
    Am andern Morgen meinte der Großvater, nun könnte man einmal an die Frau
Grossmama schreiben, ob sie nicht jetzt nach der Alp kommen wolle, es wäre da
etwas Neues zu sehen. Aber die Kinder hatten einen andern Plan gemacht. Sie
wollten der Grossmama eine große Überraschung bereiten. Erst sollte Klara das
Gehen noch besser lernen, so dass sie, allein auf das Heidi gestützt, einen
kleinen Gang machen könnte; von allem aber müsste die Grossmama keine Ahnung
haben. Nun wurde der Großvater beraten, wie lang das noch währen könnte, und da
er meinte, kaum acht Tage, so wurde im nächsten Brief die Grossmama dringend
eingeladen, um diese Zeit auf die Alp zu kommen; von etwas Neuem wurde ihr aber
kein Wort berichtet.
    Die Tage, die nun folgten, waren noch von den allerschönsten, welche Klara
auf der Alp verlebt hatte. Jeden
