 mir erzählt haben, denn wie ich hinzukomm', sagt er: Seht - da
ist er! Der jüngste Sohn der Musen!
    Ich bin sehr erstaunt.
    Verzeihen Sie, sag' ich, meine Mutter hat nur einen Sohn und heißt Rosel -
sie hält die Maut in Barnow ...
    Alle lachen, aber der Direktor fragt: Nun, wie hat es dir gefallen!
    Gut und schlecht, sag' ich. Aber eines müssen Sie mir jetzt gleich sagen:
sind Sie ein Judenfeind oder nicht?
    Er stutzt: Warum?
    Weil ich mich in Ihnen nicht auskenn. Sind Sie ein Judenfeind, warum haben
Sie so schön von dem Unrecht geredet, welches der Pole uns antut? Sind Sie kein
Judenfeind, warum benehmen Sie sich so zum Schluss, erst so harterzig und dann
so feig? Wissen Sie, was man dann sagt? Dass alle Juden so sind!
    Mein Lieber, sagt er, so hat es der Dichter vorgeschrieben!
    Wer? frag' ich.
    Der Mann, der alles ersonnen und die Worte aufgezeichnet hat!
    Machen Sie das nicht aus dem Kopf? frag' ich. Wie ich und wir alle unsere
Spiele am Purim (jüdische Fastnacht)?
    Nein, sagt er und klärt mich auf.
    Gut! Aber Sie kennen gewiss den Dichter! Ist er ein Judenfeind oder nicht?
    Alle brüllen, nur der Direktor nicht.
    Er ist schon dreihundert Jahre tot, sagt er ernst, aber deine Frage kann ich
doch beantworten. Er war ein edler, großer Mensch, darum hat er das Unrecht
eingesehen, welches man den Juden antut. Aber zu seiner Zeit hat man die Juden
überall so gehasst, wie jetzt nur bei euch, und darum hat er seinen Leuten den
Gefallen gemacht und lässt das Spiel so ausgehen, dass der Jud' verachtet und
ausgelacht wird.
    Und warum machen Sie den Schluss nicht besser?
    Da sei Gott vor! sagt er. Vielleicht siehst du einmal ein, was das für eine
Sünde wäre. Aber wie hat dir das Spiel gefallen?
    Manches gut, manches schlecht, mein' ich, und fange an zu reden von ihm, von
dem Anton und von den anderen. Und mach' dem nach und jenem.
    Zuerst lachen sie mich aus, und alle Leut' im Saal stehen auf und stellen
sich um mich herum.
    Aber dann meinen sie: Er ist gar nicht dumm! und schauen sich manchmal
erstaunt an.
    Endlich sagt der Direktor: Komm zu mir morgen um neun!
    Ich geh' in mein Gasthaus, Schmule schläft schon. Ich leg' mich auch hin,
aber kein Auge hab' ich geschlossen.
    Endlich wird es Tag, ich besorge die Pferde, richte den Wagen
