 Alte gesprochen, welche Worte, welche Stimme! Bald
hat er geweint, bald mit den Zähnen geknirscht. Totenstill ist es im ganzen Saal
gewesen, die Tränen sind den Leuten in die Augen getreten.
    Dann kommt noch ein Jud' und erzählt bald von Anton, bald von der Tochter,
und Schaje hat vor Wut gebebt. Es hat ihm um die Dukaten grad' so leid getan,
wie um die Tochter!
    Anfangs hat mich das gewundert. Aber dann hab' ich mir gedacht: Geld ist
Geld, aber ein Mädel, das dem Vater fortläuft und ihn noch dazu bestiehlt, ist
keine Tochter mehr!
    Kommt zum dritten Mal das Zimmer mit den Mädchen, diesmal war der Blonde bei
ihnen, er macht ein Kästchen auf - es wird Hochzeit gemacht.
    Maseltow (Glück auf)! sag' ich - aber was geht's mich an?
    Endlich schiebt sich der Vorhang wieder herauf: Schaje und Anton stehen vor
dem Richter!
    So hab' ich noch nie zugehört wie damals, und ich hab's noch heute nicht
vergessen. Aber auch heute noch weiß ich nicht, wer recht gehabt hat und wer
unrecht; ich glaube, die Christen und der Jude haben recht gehabt - und beide
haben unrecht gehabt.
    Eine merkwürdige Geschichte!
    Zuerst sagt Schaje: Anton hat mir diesen Wechsel unterschrieben, dass ich ihm
ein Pfund Fleisch ausschneiden darf, wenn er nicht zahlt. Ich will mein Recht!
    Der Richter ist ein alter Mensch mit einem Schmerbauch, aber dabei ein
Dummkopf - nicht zu sagen!
    Er traut sich keinen Spruch zu tun und lässt einen alten Advokaten rufen.
Kommt aber ein junger Advokat mit einer ganz dünnen Stimme und wie ich ihn näher
anschau' - ein Weib! - das größere von den zwei lustigen Mädchen!
    Sie fängt an, sagt: Schaje hat recht, aber er soll sich erbarmen.
    Schaje will nicht - sein Geld verlieren, gekränkt und misshandelt zu werden
und noch Erbarmen dazu, das wär' wirklich zu viel! Recht hat er, denk' ich. Aber
da bietet ihm der Blonde, Antons Freund, die dreitausend Dukaten, das Doppelte,
das Dreifache - Schaje will noch immer nichts als das Pfund Fleisch!
    Das hat mir nicht gefallen! Sein Geld bekommt er, sogar dreifach, was hat er
davon, wenn Anton stirbt! Sie bitten ihn: der Mensch soll nicht unversöhnlich
sein! Mir hat da gleich nichts Gutes geahnt, denn erstens ist's ganz hässlich von
Schaje, und dann ein Jud' vor einem christlichen Gericht - leider, wir in Polen
wissen, was das heißt!
    Richtig! Das Mädel sagt endlich: Ein Pfund Fleisch darf sich Schaje nehmen,
aber wenn er einen
