 nirgendwo
anders, und so groß war der Ruf seiner Streiche, dass er noch heute nicht
erloschen ist. Tolle Streiche, in denen gleichwohl ein Fünklein Vernunft oder
Gerechtigkeitssinn nicht zu verkennen war.
    Er hatte dieselbe Empfindung darüber, mehrere Jahre später pflegte er selbst
zu sagen: »Schändlich habe ich's getrieben, aber zu schämen brauch' ich mich
nicht.«
    Das war die Einleitung, und dann begann er zu erzählen: »An der Grenze, in
Skalat, war ein kaiserlicher Finanzkommissär, Meiringer hat er geheißen, der war
schlauer als alle armenischen und jüdischen Schmuggler zusammengenommen. Die
Regierung schickt ihn hin, damit er dem Treiben ein Ende macht, und gibt ihm
viele Grenzwächter mit, sogar eine Kompagnie Militär. Er aber lässt die Soldaten
ruhig in der Kaserne, geht zu den Leuten hin, die dieses Geschäft in der Hand
haben, und sagt ihnen: Wenn ich euch abfasse, habt ihr nur Schaden und ich
keinen Nutzen! Verständigen wir uns! Das ist den Schmugglern nicht neu, sein
Vorgänger hat es ebenso gemacht, sie bieten ihm dasselbe: ein Viertel vom
Nutzen. Gut, sagt er, aber ihr versprecht es mir schriftlich und was ich
beiläufig jährlich erwarten darf. Das fällt ihnen auf, dann aber denken sie: Er
ist doch ein Beamter! Wenn er sich nicht schämt und fürchtet, einen solchen
Vertrag zu machen, warum wir? Und sie tun's.
    Zwei Tage darauf sitzen sie alle im Kreisgefängnis in Barnow. Der Meiringer
hat sie angezeigt, die Verträge vorgelegt. Sie kommen ins Zuchthaus, müssen den
früheren Schaden ersetzen, und der Meiringer bekommt zur Belohnung ein Drittel
davon. Das Militär kann abrücken, der Schmuggel hat aufgehört, denn die
Schmuggler sitzen ja alle, und der Meiringer wird Oberkommissär und kriegt einen
Orden.
    Ein anderer wäre zufrieden, aber der Meiringer denkt: Was fang' ich nun an?
Kein Schmuggel, kein Verdienst für mich! Das schöne Geschäft darf doch nicht
stille liegen! Zwei Monate später wird wieder geschmuggelt, Vieh und Getreide
aus Russland, Salz und Stoffe nach Russland, und dreimal so viel als sonst. Der
Meiringer hat, weil sich kein anderer gefunden hat, die Sache selbst in die Hand
genommen - und wie! Er verdient ein Heidengeld dabei, und das Geschäft ist
sicher: sollen seine Schmuggler durch die Furt gehen, so warten seine Aufseher
an der Brücke und umgekehrt!
    Natürlich dauert's nicht lang, und es kommt eine Anzeige an den
Kreishauptmann. Ein Oberkommissär wird abgeschickt und untersucht - umsonst! Man
schickt mehr Aufseher, auch Soldaten. Der Schmuggel dauert fort, und den
Meiringer abzusetzen ist nicht möglich, weil man ihm nichts beweisen kann. Nun
kommt
