 meine fixe Idee, wieder den
Franz Moor zu spielen. Diesmal wird's gehen, denke ich, und ich weiß doch, es
wird nicht gehen. Die Leute werden lachen oder mir gar alles Mögliche an den
Kopf werfen, wie mir auch schon oft geschehen ist. Aber ich lasse nicht nach,
und wie ich vor mehreren Monaten wieder Geld von meinem Bruder bekomme - er
schickt mir manchmal aus Erbarmen einige Gulden - bestech' ich den Direktor, dass
er dem Hoheneichen die Rolle abnimmt. Der Stickler hat das Geld genommen und ihm
die Rolle gelassen, es war beides vernünftig. Aber hat nun Hoheneichen nicht
recht, mich zu hassen?«
    »Was ist das für ein Mensch?« fragte Sender. »Er hat mir sehr missfallen.«
    Der Kleine nickte. »Jetzt ist er ein erbärmlicher Lump - in jeder Beziehung.
Aber er ist es doch erst in diesem Jahr geworden. Früher, bei Nadler, hat er
sich zwar auch nicht gern daran erinnern lassen, dass er Max Wuttke heißt und
Barbiergehilfe aus Leipzig ist, aber das war menschlich. Auch streitsüchtig war
er immer, aber sonst kein übler Mensch, ganz geschickt - er weiß doch für einen
Barbier gut genug zu reden -, als Schauspieler nicht unbegabt. Die Lumperei hat
eigentlich erst hier begonnen - hier ist alles Lug und Trug.«
    »Das hab' ich schon an den Zetteln gemerkt«, sagte Sender offenherzig. »Wie
können Sie, ein ehrlicher Mann, solche Zettel schreiben?«
    Er erwartete irgend eine Erklärung oder Entschuldigung. Aber er irrte sich.
    »Die Zettel?« fragte Können befremdet. »Was finden Sie daran? Die Zettel
sind ausgezeichnet! Ich kann sagen: solche Zettel hat sonst keine Schmiere in
Galizien. Ohne sie wären wir schon alle verhungert.«
    »Mag sein«, erwiderte Sender gereizt. »Aber es war doch hässlich, dass Sie zum
Beispiel gestern auf einer Seite den Juden geschmeichelt und auf der anderen
gegen sie gehetzt haben.« Und er berichtete die Äußerungen seiner Nachbarn zur
Linken.
    »Nun also! Und da reden Sie von hetzen?« Können lächelte schmerzlich. »Ist
es erst nötig, die Christen herzuladen, gegen uns zu hetzen? Das tue ich
übrigens auch nicht, ich mache ihnen bloß vor, dass das Stück gegen die Juden
geht. Das muss sein, sonst gingen sie nicht hinein.«
    »Und warum hat das Stück für Christen vier, für Juden neun Akte, warum hat
Mosental für Christen siebzehn, für Juden hundertsiebzig Orden, warum liegt für
die Christen das Dorf in Steiermark, und den Juden wird vorgemacht, dass sie es
vielleicht kennen?«
    »Und das fragen Sie
