 zum Sitzen an, aber von
Geld wollte er nichts hören.
    »Was fällt dir ein, Senderko? Mein Freund Strus tut mir ja gern einen
Gefallen, und die vielen Offerten lesen, ist auch lästig; könnte euer
Pachtvertrag einfach zu den alten Bedingungen erneuert werden, so wäre es für
alle das bequemste. Aber die Pflicht gegen den Staat! Und zu so einer
Pflichtverletzung soll ich ihn durch Geld bringen? Da käm' ich schön an. Und ich
tät's auch selber nicht. Beamtenbestechung - wie kannst du einem Ehrenmann,
einem Edelmann, so was zumuten?«
    Sender blieb kaltblütig. »Dann behalten Sie die zwanzig Gulden, die ich
Ihnen geben will, für sich selber und lassen Sie sich von Strus den Gefallen
umsonst erweisen.«
    »Elender Jude!« brauste Wolczynski auf. »Ich soll Geld behalten, das einem
anderen gehört? Das mag eure Moral gestatten, unsere nicht!« Dann aber
besänftigte er sich wieder. »Aber eben darum, was wisst ihr alle von Anstand und
Ehrlichkeit?! - eben darum, weil du ein Jude bist, will ich dir verzeihen. Aber
lern' mich besser kennen. Ich erweise dir eine Gefälligkeit, die mich nichts
kostet, du sollst sie mir durch eine lohnen, die dich nichts kostet und dir noch
was trägt. Hundert Gulden Trinkgeld. Nämlich ich mache noch immer meine
Lottoberechnungen, verstehst du, aber immer erst am Dienstag nachmittag, und da
kann es ja vorkommen, dass ich mein Zettelchen zu Hause liegen lasse - verstehst
du - und -«
    »Ich verstehe«, sagte Sender. »Es ist dieselbe Gaunerei, zu der Sie mich
schon einmal haben verleiten wollen. Ob sie möglich ist, ohne entdeckt zu
werden, weiß ich nicht -«
    »O doch! Ich kenne einen Mann, der dadurch sein Glück gemacht hat.«
    »Aber dass ich es nicht tue, weiß ich.«
    Der Edelmann pfiff vor sich hin. »Dein letztes Wort?«
    »Mein letztes .... Aber zehn Gulden will ich noch drauflegen. Also dreißig.«
    »Jüdisches Hundsblut!« brach Wolczynski los. »Hinaus mit dir und danke Gott,
dass ich dich nicht anzeige, weil du mich zu einem Verbrechen hast anstiften
wollen.«
    ... »Weine nicht!« tröstete Sender die Mutter, als sie auf seinen Bericht in
Tränen ausbrach, »deshalb gehen wir noch lange nicht zu Grunde. Ich reiche die
Offerte ein, nützt es nichts, so wird uns doch Gott nicht verlassen.«
    Er machte sich stärker, als er war. Am letzten Januar, wo das Ergebnis der
Ausschreibung veröffentlicht werden musste, wollte er jedenfalls
