 schuldig seid!«
    Der Uhrmacher nickte wieder.
    »Das ist wahr!« sagte er. »Aber der Grund? - ein Grund ... Komm' her,
Sender, hier an meinen Tisch ... Sieh dir das Werk von dem Ührchen da an, das
ich eben reparieren tu' - gehört dem Herrn Kreiskommissär. Ein feines Ührchen,
ein schönes Ührchen«, fügte er mit fast zärtlicher Stimme bei und strich mit dem
kleinen Finger liebevoll über den Rand, »es ist auch gottlob nicht ernstlich
krank, sondern muss nur gereinigt werden ... Also, wie viel Rädchen siehst du
da?«
    »Vier!«
    »Vier! Richtig! Was jeder Bauer sehen könnt', siehst du auch! Aber mehr
nicht! Und viel mehr als ein Bauer verstehst du auch nicht und kannst du nicht
machen. Schon das ist schlecht für mich! Freilich bezahl' ich dir nichts, aber
auch einem anderen Lehrling würd' ich nichts geben, und an dem hätt' ich doch
mit der Zeit eine Hilfe. Jeder Mensch darf doch auf seinen Vorteil sehen, nicht
wahr?! Aber dass du mir Schaden bringst, weil alle meine Zeit und Müh' an dir
verloren ist, das ist nur ein Rädchen in der ganzen Sach', und zwar das
kleinste. Das Rädchen ist da!«
    Er wies mit dem Finger auf das Uhrwerk. »Aber daneben«, fuhr er fort, »ist
ein größeres: warum lernst du nichts? Weil du ungeschickt bist? Nein! Oder dumm?
Einen gescheiteren Burschen hab' ich nie gehabt. Oder weil du zu kurze Zeit
dabei bist? Das ist ja gar schon deine zweite Lehrzeit! Du lernst nichts, weil
du kein Herz für unser goldenes Handwerk hast! Ich aber - - Sender, du wirst
mich ja nicht verstehen oder gar verspotten, aber sagen will ich's dir doch!
Täglich im Morgengebet, wenn ich die Stelle sag': Ich danke dir, Herr, dass du
mich als Mann geschaffen hast, füge ich bei: und als Uhrmacher! Ich sag' es nur
in Gedanken, denn man kann doch nicht ins Gebet deutsche Worte mischen, und für
Uhrmacher haben unsere Väter kein Wort gehabt, aber Er hört mich doch und weiß,
dass ich Ihm dankbar bin! Ich denk' mir oft: Du hast viel Sorgen, Jossele, und es
könnt' dir besser gehen, aber du tauschst doch mit niemand und kannst nie
unglücklich werden, denn du bist gottlob ein Uhrmacher! Mit wem sollt' ich
tauschen? Mit einem Wucherer? Pfui! Oder mit einem anderen Handwerker? Der
Schuster, der Tischler - mit welchen Sachen haben sie
