 haben so werden Sie mir nicht bös sein. Aber auch
wenn Sie es mir nicht erlaubt hätten, so möchten Sie mir gewiss zur Güte
verzeihen, weil es meine einzige Hoffnung ist.
    Nämlich, in Barnow kann ich nicht bleiben.
    Erstens haben sie mir meinen Soldaten fortgeschleppt und erschossen,
vielleicht hat es auch der barmherzige Gott von dem armen Menschen abgewendet,
aber gehört habe ich nichts mehr von ihm.
    Nämlich dies war mein Lehrer, sein Unglück war mit einem Büchel vom Pfaffen
Moritz Hartmann. Geheissen hat er Wild.
    Zweitens habe ich jetzt im Saale bei den Mönchen Bücher, aber allein
verstehe ich nur sehr wenig, vom Erfrieren gar nicht zu reden. Und weil ein
Unglück nie allein kommt, soll ich jetzt auch noch eine Braut kriegen. Der Herr
Wohltäter kann mir wirklich glauben, dass ich jetzt schon der traurigste Pojaz
auf Gottes Erde bin.
    Lieber Herr Wohltäter - wie ich in Czernowitz war, haben Sie mit mir
gemacht, was Gott mit Moses gemacht hat, Sie haben mich auf einen Berg
hinaufgeführt und haben mir von fern das gelobte Land gezeigt. Moses hat sich
mit dem Anschauen begnügen können, denn er war schon sehr alt, aber mir blutet
das Herz, dass ich dieses Land nie soll erreichen können, weil ich noch so ein
junger Mensch bin und gottlob so gut zum Theater passe! Sie haben ja selbst
gesagt, dass Sie einen solchen Spieler noch nie gesehen haben, und es ist auch
gewiss wahr! Hier wird nichts aus mir, das kann ich Ihnen ganz sicher sagen. Also
flehe ich Sie an, dass Sie es mir erlauben und dass ich darf zu Ihnen nach
Czernowitz kommen. Mein Brot verdiene ich mir schon, vielleicht bei Ihnen, denn
es scheint ja nur, dass der Vorhang von selbst in die Höhe geht, es muss ja doch
jemand ziehen, und Lampen möchte ich anzünden und Stiefel putzen und alles
pünktlich verrichten, bis ich spielen kann. Oder vielleicht trifft sich mir ein
Uhrmacher in Czernowitz, oder sonst was, denn bin ich nicht gottlob ein
geschickter Mensch?
    So haben unsere Väter in der Wüste nicht nach dem Manna gelechzt oder nach
dem Wasser, wie ich auf Ihre Antwort warte. Bitte ich also, mir zu schreiben,
aber nicht an mich, sondern an Fedko Hayduek im Kloster in Barnow, weil sonst
hier die Leut' was merken könnten. Fedko wird mir schon den Brief geben, zu
verzahlen brauchen Sie ihn nicht, denn meinetwegen sollen Sie nicht Geld
ausgeben.
    Ich grüße den Herrn Wohltäter und die Frau Wohltäterin und schreibe darunter
als
                                                                             Ihr
                                                              Sender, der Pojaz.
Dass ich schon schreiben kann, sehen Sie, lesen natürlich auch, und Deutsch kann
ich reden, als wenn
