 Schande denke, die
dadurch auf die Familie geworfen worden ist, da wendet sich mir das Eingeweide
um. Ich habe seitdem auch von keinem Menschen wieder ein Gedicht gelesen, und
ich danke meinem Schöpfer, dass ich kein Dichter bin. Weil Max aber einmal einer
ist, hat er mir aus dem Grunde am Ende immer leid getan. Und zweitens, Dezimus,
dass er sich in Röschen verliebt hat, das kann ich ihm, auf Ehre! auch nicht so
übelnehmen. Sie ist dir gar zu reizend! Freilich war sie deine Braut. Aber,
siehst du, dein Freund, wie ich, war Max am Ende nicht, und solche Geschichten
sind schon unter leiblichen Brüdern passiert. Und wenn er ihr, sei nicht böse,
lieber Junge, wenn er ihr, ich meine nur so, ein bisschen besser gefallen hat als
du, das solltest du dem armen Dingelchen auch nicht so sehr zur Last legen,
Freund. Ich finde dich schöner, schon weil du einen halben Kopf größer bist als
Max, aber - de gustibus non est disputandum, so sagen ja wohl wir Lateiner.«
    Dezimus machte einen schwachen Versuch zu lächeln; der unwiderlegliche
Wortführer schöpfte Atem und geriet darauf allmählich in die blutdürstige
Stimmung, von der er ausgegangen war, zurück. »Aber siehst du, Dezimus,« fuhr er
fort, »ein schlechter Kerl ist der Max doch. Warum heiratet er Röschen nicht?
Und wenn er zehnmal den Namen Hartenstein trägt, seine Mutter war eine Mehlborn,
und wer mit blutroten Demokraten auf Duzbrüderschaft steht, der kann sichs doch
wahrhaftig nur zur Ehre anrechnen, wenn eine Pastorstochter ihn nimmt. Und denke
ich daran, da werde ich fuchswild. Aber ich finde ihn schon noch, und wo ich ihn
finde, - na, verlass dich auf mich! Es ist wahrhaftig auch an der Zeit, dass einer
von uns etwas für dich tut. Was sind wir dir nicht alles schuldig geworden! Erst
beim Magister, wie ich noch ein recht dummer Junge war und du mir so geduldig
nachgeholfen hast, und dann wegen Philipps, den du so klug und nobel aus der
Patsche gezogen hast. Denke doch nur, im Militärwochenblatte hat er mit Ruhm
erwähnt gestanden! Der Erste ist er oben auf der Schanze gewesen, zum Leutnant
haben sie ihn schon gemacht! Und unsereiner muss während der Zeit in dem
verdammten Festungsneste auf Wache ziehen und allerhöchstens einen verrückten
Pflasterkasten mit seinem Raubgesindel, ohne einen Schuss Pulver zu tun, zu
Paaren treiben. Zum Haarausraufen, sag ich dir, ist es, zum Kopfeinrennen!
Könnte man am Ende aber nicht an aller Naturphilosophie zum Narren werden, wenn
man erlebt, dass das größte Genie in einer Familie ihren guten
