 darfst es nicht, weil du ein Geistlicher bist, und dir nimmt
es am Ende auch kein Mensch übel, wenn du ihn nicht forderst. Du bist ja kein
Offizier, nicht einmal bei der Landwehr. Aber ich, ich! Verlass dich auf mich!
Wie lange dürstet mich schon nach dieses Halunken Blut! Du denkst gewiss wegen
Lydias. Aber nein, Dezimus, nein. Lydias wegen tut er mir eher leid. Es ist
gewiss nicht leicht, mit ihr auszukommen; sie will zu hoch mit allen Menschen
hinaus, und am Ende ist sie es doch gewesen, die ihm den Laufpass gegeben hat.
Ich habe in der Geschichte niemals ganz klar gesehen. Aber unseren alten Namen
so schmählich in den Kot zu treten! Der rote Hartenstein wird er in den nobelen
Zeitungen geschimpft, und die Lumpenblättchen heben den roten Hartenstein in den
Himmel.«
    »Wo ist Max?« unterbrach ihn Dezimus, dem wahrlich die Geduld, zuzuhören in
dieser Stunde, herzlich schwer ankam.
    »Ja, wenn ichs wüsste, Freund! Seitdem der Kavaignac mit dem Pariser Plebs
reinen Tisch gemacht hat, scheint es ihm in Bielitz nicht mehr recht geheuer
vorgekommen zu sein. Wo es aber einberufene Landwehren aufzuhetzen, ein Zeughaus
zu plündern gibt und dergleichen, da wird der rote Hartenstein gewiss nicht weit
um die Ecke stehen. Es heißt, sie fahnden auf ihn. Und wenn sie ihn fassten! Es
wäre schauderhaft! Ein Hartenstein im Zuchthaus Wolle haspelnd wegen
Hochverrats! Eher schieße ich ihn nieder. Einmal dachte ich schon ganz gewiss,
ich hätte ihn am Kragen. Es war bei dem sogenannten Doktorputsch; du wirst wohl
von ihm gehört haben. So ein Pflasterkasten! Was meinst du, Dezimus, wenn am
Ende Peter Kurze auch noch anfinge, die Republik auszurufen! Aber dieses
Hartensteinsche Genie muss Doktor Faustens Zaubermantel in Pacht genommen haben;
der Blondkopf, den ich statt seiner erwischte, war ein armer Hungerleider von
Schneider.«
    »Deine Voraussetzung ist eben eine irrige gewesen, Freund,« entgegnete
Dezimus. »Ein so gescheiter Mensch wie dein Vetter lässt sich nicht auf derlei
kindische Versuche ein.«
    »Nicht, etwa nicht?« eiferte der Leutnant. »Denke doch nur an den Napoleon
in Strassburg und dann noch einmal mit dem Adler in Boulogne! War der etwa auf
den Kopf gefallen? Sie sagen ja, er setzt es am Ende doch noch durch! Und
bedenke doch nur Maxens Wut! Von der Offiziersliste gestrichen zu werden! Ein
Hartenstein! Und warum? Um ein paar lumpiger Verse willen, die kein Mensch
gelesen hätte, wenn man nicht solches Wesen darum gemacht. Da kann einer
freilich zum Mordbrenner werden. Ich selber, wenn ich an die
