 auch das. Die klügste aller Pfarrmütter
hatte, irre ich nicht, schon vorig Jahr, etwas derart mit mir im Sinn. In jenem
sturmflutigen Zustand war es zu früh dazu, und heute wahrscheinlich auch noch.
Wenn Mama Blümel mir indessen im Milchkeller des Talgutes jährlich tausend Taler
verbürgen könnte - denn auf das liebe Geld bin ich ein Vogel, der es Vater
Mehlborn wettmacht -, wer weiß, ob ich nicht die patriotische Paukmamsell in der
Diaspora aufgäbe und Euch das idyllische Rührstück vorführte: Sidonia in der
Käserei!
    Und nun zu guter Letzt noch einen Blick auf den, dessen Stern, ist er gleich
aus der Region Ihrer regierenden Jungfrau gestürzt, Ihnen, getreuer Hirtensohn,
denke ich, doch immer noch anziehender leuchten wird als der, welcher über dem
Haupt der Melkerin der Zukunft kulminiert. Nun, auch mein Mäxchen lässt es sich
gefallen, so wie er es treibt, treibt er es auch just nicht so, wie Sie und
andere Leute es für ihn in Aussicht genommen hatten. Der Mensch zieht ja nun
einmal einen Missstand seiner Wahl dem Wohlstande vor, den sein bester Freund für
ihn ausgeklügelt hat, und nennt seine Freiheit das, was er im Grunde seine
Unfreiheit nennen sollte. Kurz und gut: das Mäxchen ist auf dem Wege nach Rom in
Paris hängengeblieben - dem rechten Platze, hässliche Erfahrungen zwar nicht zu
verwinden, aber zu vergessen -, und er schwingt allda tapfer nicht bloß die
Adlerfeder des Poeten, sondern, wie tutti quanti, auch die Hahnenfeder des
Publizisten. (Falls sein jüngster Ruhm noch nicht bis in Ihre Pflegstätte
deutscher Wissenschaft gedrungen sein sollte, erlasse ich Ihnen, denselben
auszuposaunen.)
    Mag er! Singt er sich auch nicht in eine Fürstengruft, wird der Huf seines
Pegasus auch keine Republik der Gleichheit und Brüderlichkeit aus unserem
biderben vaterländischen Boden stampfen, solange er bei diesem oder
irgendwelchem anderen unschuldigen Zeitvertreib sich frei fühlt und froh, wird
frei und froh sich fühlen auch der kleine Trabant, der, nur mit bewaffnetem Auge
erkennbar, sich um diesen bis jetzt noch sehr veränderlichen Stern bewegt. Woher
kommt denn alles Glück, freilich auch alles Unglück in der Welt, als dass wir,
coûte que coûte, uns an ein Individuum hängen müssen, oder sei es meinetwegen an
ein Ding? Bleiben Sie darum den hohen Himmelsaugen treu, Hirtensohn. Sie
riskieren mit ihnen weniger von Ihrem Johannissegen als mit allen, die Ihnen
hienieden blitzen und blinken würden. Solches wünschend verbleibe ich meines
standfesten Freundes Polarius gleicherweise standfeste Freundin Sidi.«
    Die Freunde in der Pfarre spürten zwischen den scherzhaften Worten manchen
unterdrückten Seufzer und manche unterdrückte Träne heraus; und wenn es eine
gute Art des Mitleids ist, anderen Mitleid ersparen zu wollen, so wurde die
