 angelegt, dass die Kohlen und Holzstämme
besser hinausbefördert werden können.
    Ich gehe gern zu den Arbeitern herum und sehe ihnen zu, und spreche mit
ihnen, auf dass ich mir in den Dingen einige Erfahrungen sammle.
    Zuweilen aber sind die Leute doch ein wenig misstrauisch gegen mich und
begegnen mir mit ihren Vorurteilen. Ich trage gern ein Büchel von Wolfgang
Goethe mit mir herum, und wo so ein schönes lauschiges Plätzel ist, da setze ich
mich auf einen Rasen oder auf einen Stein und lese in dem Buche. dabei bin ich
schon mehrmalen aus dem Hinterhalte beobachtet worden. Und da schleicht im Walde
das Gerücht herum, ich sei ein Zauberer und hätte ein Büchlein mit lauter
Zaubersprüchen.
    Ich habe nachgedacht, ob mir dieser seltsame Nimbus für meine Pläne anfangs
nicht einigen Vorteil brächte. Gewiss sind die Eltern leicht zu bewegen, ihre
Kinder von mir das Lesen lernen zu lassen, wenn ich ihnen sage: versteht einer
nur erst die Zaubersprüche in dem Büchlein, so kann er teufelbeschwören,
schatzgraben, wettermachen, oder je nach Bedarf die Wettermacher unschädlich
halten nach Belieben. Ich denke, dass selbst Erwachsene und gar Grauköpfe ihre
Arbeitswerkzeuge fallen lassen und zu mir in die Schule gehen würden. - Von mir
aber wäre es schändlich und ich täte dadurch nur das Verkehrte erreichen von
dem, was ich will. Nicht, dass die Leute lesen und schreiben lernen ist die
Hauptsache, sondern, dass sie von den schädlichen Vorurteilen befreit werden und
ein reines Herz haben. Freilich könnte ich ihnen später Bücher der Sittenlehre
unterschieben und sagen: da drin stehen die echten Zaubersprüche, aber die
Getäuschten hätten kein Vertrauen mehr zu mir, und das Übel wäre größer, anstatt
kleiner.
    Nicht auf Umwegen wollen wir schleichen; eine gerade Straße hauen wir durch
das Urgestämme.
    Ich habe aus dem Buche den Leuten einige Male Lieder vorgelesen; den Mädchen
das »Heideröslein« und den Burschen das »Christel« gelehrt. Gleich haben sie -
ich weiß gar nicht, woher - eine Weise dazu, und jetzt werden die Lieder im
Walde schon gesungen.
    Und so ist nun der Herbst gekommen. Der Himmel ist, wenn die Morgennebel in
den Tälern sich lösen, hell und rein und alle Wolken sind aufgesogen. Die
Nadelwälder sind dunkelbraun, die Laubhölzer sind gelb oder rot, und auf der
Talwiese grünt es frisch, oder es liegt auf derselben das Silber des Reifes. In
diesen Wäldern ist der Herbst buntfarbiger und fast lieblicher, als der Lenz.
Der Frühling ist ein übermütiges Glitzern und Schillern, Singen und Jauchzen
allerwege; der Nachsommer hingegen ist, wie ein stiller, feierlicher Sonntag. Da
horcht und gehorcht nichts mehr der Erde; da lauscht alles ahnungsvoll dem
Himmel und der Atem Gottes säuselt stimmungsvolle
