 heimlose dürrästige Baumstrünke, die nach einem frischen Erdboden
suchen, auf dem sie wieder wachsen und gedeihen mögen. Da sind sie gerne vor mir
stehen geblieben, haben mit Schwamm und Stein Tabakfeuer geschlagen und mich
finster oder verwundert angeschaut. Mancher Augen haben so Funken geworfen, wie
ihre Feuersteine. Andere sind wieder treuherzig und weisen mir den Weg. Ein sehr
derber und sehr stämmiger Bursche, der eine Rückentrage mit Säge, Axt, Mehlkübel
und anderen Dingen getragen hat, ist, als er mich des Weges schreiten sieht,
misstrauisch beiseite gestanden und hat gemurmelt: »Gelobt sei Jesu Christ!«
    »In Ewigkeit, Amen!« ist meine Antwort, und als er diese hört, wird er
zutraulich und geht eine Strecke mit mir.
    Endlich öffnet sich ein wenig das Tal. Es ist ein kleiner Kessel, in welchen
aus verschiedenen Schluchten, und über das Gewände hernieder, das sich zu meiner
linken Hand erhebt, Wässer zusammenfliessen. Diese bilden die Winkel. Hier ist
ein sehr dicker, oberseitig plattgehackter Baumstamm über den Bach gelegt, auf
welchem der Fußsteig hinüberführt zu einem hölzernen Hause, das am Waldhange
steht. Das ist die Försterschaft, das einzige größere Haus in diesen Wäldern.
Weiterhin in den Gräben und Hochtälern sind Hirten- oder Holzschlägerwohnungen,
und jenseits der bewaldeten Bergrücken, wo schon große Blössen geschlagen sind
und ein Kohlenweg angelegt ist, stehen Dörfer von Köhlerhütten.
    Dieses kleine Tal heißen sie »im Winkel«. Es ist noch fast in der
Urtümlichkeit, nur dass das stattliche Haus mit seiner kleinen, häuslichen
Umgebung darin steht und der Fußpfad und der Steg dahin führt.
    Das Försterhaus nennen sie auch das Winkelhüterhaus. Ich bin in dasselbe
gegangen, habe in dem Flur mein Bündel auf eine Truhe gestellt und mich selbst
daneben hingesetzt.
    Der Förster ist just mit Arbeitsleuten beschäftigt, die ihre Rait, das
heißt, ihren vierwöchentlichen Arbeitslohn einheben, wie es bei den Holzleuten
so Herkommen ist.
    Der Förster, ein sehr herrischer und ein sehr rotbärtiger Mann, hat die
Leute rau und kurz abgefertigt; und die Leute haben sich die Rauheit sehr gerne
gefallen lassen und gar artig schweigsam ihr Geld eingestrichen.
    Nachdem das Geschäft geschlichtet worden, steht der Förster auf und reckt
seine stämmigen Glieder, die in echter und rechter Jägertracht stecken. So trete
ich jetzund zu ihm und überreiche ihm ein Schreiben, das ich von dem Eigentümer
der Wälder mitgebracht habe.
    In diesem Schreiben wird alles Wesentliche gestanden sein. Es ist mir eine
gut eingerichtete Stube angewiesen worden. Eine kernige Frau, die da ist und
umsichtig alles ordnet, wie es ihr scheint, dass es nötig und gut, ist mit in die
Seiten gestemmten Armen jählings vor meiner offen Tür stehen geblieben und hat
laut
