s; magst nach Wien gehen und dich beim Karl
werben lassen. Bist ein unerfahrener Mensch. Bist auch unser Landsmann nicht.«
    Ich mach' meine Begrüßung und will mich kehren.
    »He, da!« ruft er mir nach, schiebt mir das Silbergeld vor.
    »Ich sage meinen Dank. Das Geld brauch' ich nicht.«
    Jetzund, wie ich gesagt, hebt dem Mann das Aug' an zu glühen: »Das ist
wacker, das ist brav,« ruft er. »Kannst schreiben? Brauch' einen Schreiber, der
eine gute Schrift und ein gutes Gewissen hat.«
    »Mein Gewissen ist auch für einen Soldaten gut genug,« sage ich finster.
    »He, Seppli!« ruft drauf der Hofer, »weis' dem Mann Messer und Stutzen bei!
- Schau, das ist brav!« er presst mir die Hand, »Arbeit werden wir schon kriegen,
selbander.«
    Ich bin Kriegsmann, Tirolerschütz'. Arbeit hat es bald gegeben.
    Die Franzosen und die Bayern und etwan auch die Österreicher hinten haben es
nicht gelitten, dass in der Burg zu Innsbruck ein Bauer sollt' König sein. Mit
Haufen ist der früher von den Tirolern dreimal geschlagene Feind eingebrochen
ins Land. Der Stutzen ist mir besser in die Hand gegangen, als ich vermeint. All
Vergangenes hab ich vergessen, nur meinen Freund Heinrich hätt' ich an der Seit'
mögen haben gegen den Feind. Eine welsche Fahne hab' ich genommen, und wie ich
die zweit' will holen, haben sie mich ertappt. Drei bärtige Franzosen haben mir
wütenden Knaben lachend das Wehrzeug abgenommen .... Gefangen haben sie mich
dann davongeschleppt, durch das Bayern- und Schwabenland hinein in das
Frankenreich.
    Ich mag die Zeit nicht wieder beschreiben. Eine Hundenot ist es gewesen.
Eine Hundenot, nicht weil ich drei Jahr' lang gelegen bin in der Gefangenschaft
eines fremden Landes; sondern weil ich ein Empörer gegen mein eigen Land. Gegen
unseres Kaisers Willen - hat es geheißen - hätten sich die Tiroler erhoben, denn
von seiner Hand seien sie den Bayern zugeteilt gewesen. Deutsche Landsleute
selber haben es gesagt, und so ist mein Herzensunglück angegangen. - Anstatt ein
Heldenwerk hast du eine böse Tat vollführen helfen, Andreas; als Empörer liegst
du in Ketten.
    Von einem großen Feldzug nach Russland und ins Morgenland hinein wird
gesprochen. Selbunter werde ich, wie viele andere meiner Landsleute, frei. Viele
andere haben der Heimat zugestrebt. Ich weiß von einer Heimat nichts; darf
nichts wissen. Blutarme Narren, wie ich einer bin, sind in der Heimat übler
daran als anderswo. Und als Empörer, der ich nun bin, kehre ich
