 sich Gehilfen
nehmen und seine Buben werden ihm bald zu wenig sein. Auch geht er bereits mit
einem Plan für sein eigenes Haus um. Letztlich, als ich einmal unten am Bache
stehe und Forellen fische, kommt er sachte, ich weiß gar nicht von woher, auf
mich zu und lispelt mir geheimnisvoll ins Ohr: »Glaubt mir, mein neues Haus wird
saggrisch toll, saggrisch toll wird's!« Kein Mensch sonst ist in der Nähe
gewesen und die Fische sind auch in der Winkel taub. Aber saggrisch toll -
flüstert er leise - wunderprächtig wird sein Haus! Der Mann ist schier kindisch
vor Stolz; er ist auf seinem Fahrwasser; früher ist es gar keinem eingefallen,
dass man auch in den Winkelwäldern stattliche Wohnungen bauen könne.
 
                               Auf dem Kreuzwege
                                                                 Im Herbst 1818.
Oben, in der Öde des Felsentales steht ein hölzernes Kreuz. Es ist dasselbe,
welches emporgewachsen sein soll aus dem Samenkorne des Vögleins, das alle
tausend Jahre in den Wald fliegt.
    Ich bespreche mich mit dem Förster und einigen der Ältesten. Hernach frage
ich den alten Bartkopf und Fabelhans Rüpel, der sonst auch just kein wichtig
Geschäft hat, ob er mit mir gehen wolle hinauf in die Karwässer und in das
Felsental, und ob er mir das bemooste Kreuz wolle herabtragen helfen in das
Winkel.
    Und so gehen wir an einem hellen Herbstmorgen davon.
    Beiden ist uns unsäglich wohl gewesen. Dem schattendunkeln Winkelbach haben
wir Dank gesagt für sein Schäumen und Rauschen. Dem Wiesengrün haben wir Dank
gesagt, dass es Wiesengrün ist, dem Taue und den Vöglein und dem Reh und dem
ganzen Wald haben wir Dank gesagt. - Wir steigen über glatten Waldboden, wir
steigen über verwittertes Gefälle und bemoostes Gestein. Die Bäume sind alt und
tragen lange Bärte, mit jedem steht der Fabelhans auf brüderlichem Fuße. Auf den
Weben der Moose begegnen uns Käfer, Ameisen, Eidechsen; wir grüßen sie alle, und
lustflunkernde Schmetterlinge laden wir ein, dass sie mit uns kommen sollten zum
Kreuze. Die kleine bunte Welt hat davon nichts wissen wollen.
    Mein Gefährte ist ein sehr seltsamer Kauz. Wer ihn nicht kennt, der kann ihn
nicht glauben. Aber unter den Waldmenschen gibt es einmal die wunderlichsten
Leute. Draußen in der durchgebildeten und abgeschliffenen Welt nennt man solche
Erscheinungen Dichter; hier heißen sie Halbnarren.
    Der Rüpel ist so ein Halbnarr. Sie heißen ihn auch den Fabelhans, weil er
allfort was zu fabeln weiß; und sie heißen ihn den Reim-Rüpel, weil er - und das
ist die Merkwürdigkeit - nicht zehn Worte sprechen kann, ohne zu reimen. Es ist
eine tollwitzige Gewohnheit. Seine ganze Lebensgeschichte hat er mir unterwegs
in Reimen erzählt. Die Reime haben zwar gottslästerlich geholpert
