 nicht neu getüncht, neue Häuser
sind gar nicht gebaut und die schlechten Giebel der alten kaum notdürftig
gebessert. Die Menschen gehen ernst und missvergnügt einher, und die Zahl der
fadenscheinigen Röcke, welche der Steuereinnehmer genau kennt, ist größer
geworden. Die Schützen ziehen aus mit ihrer Musik, und der Zieler trägt die
Scheibe; diesmal ist nichts darauf als ein Hirsch, an welchem die grimmigen
Hunde heraufspringen. Das edle Tier hat den tödlichen Schuss empfangen, sinkt auf
die Knie und das Blut strömt aus der Wunde. Es war die alte Geschichte, aber der
Künstler wusste nichts Besseres und hatte sie neu gemalt. Der Bürgerschützen sind
weniger geworden, denn manchem kommt das ganze Vergnügen zu teuer. Und wo ist
die Freikompanie geblieben? Nur einzelne davon treten in den Stand und schießen
mit, weil sie sich einmal dazu verpflichtet haben. Unser Freund, der Doktor,
hält sein Gewehr, wie vor Jahren, aber er hat nicht nötig, sich leise mit den
Bekannten zu bereden. Auch die Gesellschaft, welche unter den Linden Kaffee
trinkt, scheint nach allem nicht so glänzend wie früher, viele Honoratioren
fehlen, und Minchen Buskow fehlt, sie ist zum Besuch auf das Land gegangen, da
ihre Schule Ferien hat. Sogar die Zahl der Buden ist vermindert, aus zweien ist
eine geworden, denn nur die Frau mit dem Pfefferkuchen hat ausgelegt, dem
Glasmann lohnt sich's nicht mehr, die Leute wollen ihre Groschen im Würfelspiel
nicht dranwagen. Die Kinder allein schwärmen in heller Freude umher wie immer,
und zu den früheren sind, gottlob, einige neue gekommen, kleine Wutzel, welche
neben ihren Müttern auf dem Grunde kauern und mit Kienäpfeln spielen. Dort
erscheint endlich unser Einnehmer, der schlaue Herr, er zieht eine Tüte aus der
Tasche und spricht strafend zum Kaffeewirt: »Ich fordere besonderen Aufguss für
diese gebrannten Möhren, denn die Mischung von Zichorie und Eichel, die Sie in
die Töpfe schütten, ist für meinen Magen unerträglich; der ganze Platz riecht
danach, ich wollte, Bonaparte würde zur Strafe für seine Sünden täglich einige
Stunden mit Zichorie geräuchert.«
    »Ach, Herr Einnehmer«, klagte der Kaffeewirt, »mit dem Zucker steht es noch
schlechter. Den Kaffee bringen die Schmuggler zuweilen über die Grenze, aber der
Zucker ist unerschwinglich.«
    »Sie können hier schönen Heidehonig ziehen«, sagte Herr Köhler. »Unterdes
rate ich Ihnen, die französische Sperre dadurch zu betrügen, dass Sie die Stücke
Zucker dreimal so klein schlagen als sonst. - Sie haben recht, es geht uns
schlechter als vor dem letzten Kriege. Alles klagt und schreit; da aber niemand
mehr den Schreiern ihren Mund zuhält, so wird ihnen zuletzt durch lautes Klagen
das
