
    »Von seinen Vorräten?« rief Herr von Granow. »Ja, ja, es soll vom vorigen
Herbst viel übrig geblieben sein; er soll noch so viel in seinen Kellern haben,
um die halbe Insel damit versorgen zu können. Das liegt ihm schwer auf der
Tasche; denn er muss den Schmugglerkapitänen baar zahlen, und der Absatz nach
Uselin ist, wie ich höre, sehr schlecht gewesen. Man soll dort in jüngster Zeit
verteufelt scheu geworden sein. Seitdem so Viele in das Handwerk pfuschen, traut
Keiner mehr recht dem Andern. Früher sind es nur, höre ich, ein paar respectable
Firmen gewesen. Aber das müssen Sie ja Alles viel besser wissen als ich. Ihr
Vater ist ja wohl selbst Steuerbeamter?«
    »Ja,« sagte ich, »und um so mehr müsste ich mich wundern, dass ich Herrn von
Zehrens Namen unter so manchen andern niemals habe nennen hören, im Falle Ihr
Verdacht wirklich begründet wäre.«
    »Aber so sprechen Sie doch nicht immer von Verdacht,« schrie der Kleine ganz
ärgerlich. »Es ist da wie überall: man hängt die kleinen Diebe und lässt die
großen laufen. Die Herren vom Amt wissen auch, was sie tun; ein paar Taler
oder Louisd'or zur rechten Zeit halten schon eine Zeit lang vor, und wenn einer
gar, wie der Alte, einen Steuerrat zum Bruder hat, wird der Herr Steueraufseher
nicht so unhöflich sein, des Herrn Steuerrats Bruder abzufassen.«
    »Das ist eine Beleidigung, Herr von Granow«, rief ich wütend; »ich habe
Ihnen schon gesagt, dass mein eigener Vater Steuerbeamter ist.«
    »Nun, nun,« sagte Herr von Granow, »ich denke, Sie leben mit Ihrem Vater
auch nicht auf dem besten Fuß. Und wenn Ihr Vater Sie weggejagt hat, so -«
    »So geht das Niemand etwas an,« rief ich, »als Herrn von Zehren, der mich in
sein Haus genommen hat und gut und freundlich zu mir gewesen ist die ganze Zeit.
Hat mein Vater mich fortgeschickt oder meinetwegen: fortgejagt, so habe ich ihm
Ursache genug dazu gegeben, aber das hat mit seiner Ehrenhaftigkeit nichts zu
tun, und den schlage ich tot wie einen Hund, der meinem Vater die Ehre
abschneiden will.«
    Da Herr von Granow nicht wusste und nicht wissen konnte, wie tausendfältig er
durch Alles, was er gesagt, mein Herz zerrissen hatte, musste ihm meine Wut, die
nur nach einer Gelegenheit gesucht hatte, um loszubrechen, unbegreiflich und
schrecklich sein. Ein junger, ihm wahrscheinlich immer und jetzt doppelt
verdächtiger Mensch, von dessen Körperkraft er mehr als eine erstaunliche Probe
gesehen hatte, und der mit dieser
