 Grabschrift,
oder gar in der eines förmlichen Nekrologs, welcher durch die Zeitungen geht, in
volltönenden Worten auszahlt.
    Im Ernst, Du lieber Leser, der Du mein Freund geworden bist - sonst hättest
Du wohl nicht bis hierher gelesen - Du, für den ich allein geschrieben habe, und
für den allein ich auch dies Schlusscapitel noch schreibe, im Ernst, ich glaube
Dir und mir einen Gefallen zu tun, wenn ich hier abbreche. Ich weiß nicht, ob
Du ein Techniker, ob Du ein Mann von Fach bist, und ich müsste es doch eigentlich
wissen, um die Geschichte eines Technikers, wie ich es bin, so zu erzählen, dass
sie Dir in dem einen Falle genügt, oder Dich in dem andern nicht allzusehr
langweilt; ja, ich weiß nicht einmal, ob Du überhaupt ein Mann, und nicht
vielmehr eine Dame bist, die trotz ihrer Liebenswürdigkeit und übrigen »
accomplishments« für die Erörterung technischer Fragen keine augesprochene
Vorliebe hat, ja die mir bereits dafür, dass ich bisher nur immer an den Saum
solcher heiligen Dinge gestreift bin, herzlichen Dank weiß - einen Dank, den ich
um Vieles nicht verschmerzen möchte.
    Wie gesagt, ich weiß das Alles nicht; Eins aber weiß ich, dass Du, um mit dem
guten Professor Lederer zu reden, ein Mensch bist, dem nichts Menschliches fremd
ist: und wie ich Dir bis jetzt hoffentlich nur erzählt habe, was Deine
Teilnahme leicht erweckte, weil es einem Menschen begegnete, der nicht besser
und nicht schlechter, nicht klüger und nicht dümmer, nicht interessanter und
nicht langweiliger war, als die Menschen zu sein pflegen und in dessen Gedanken
und Empfindungen, in dessen Wollen und Streben, ja in dessen Verirrungen Du Dich
daher ohne große Mühe zurechtfandest, so meine ich, Du müsstest, als ein guter
Mensch und als mein Freund, mir nachfühlen, weshalb ich Dich bitte, Dir die
weitere Geschichte meines Lebens nach Deiner herzlichen Gesinnung und
liebenswürdigen Phantasie freundlichst auszumalen.
    Und das »Freundlichst« wollest Du ja wörtlich nehmen, denn es ist - ich sage
das mit tiefster Dankbarkeit gegen ein gütiges Geschick und ohne Furcht vor dem
Neid der Götter, an den ich nicht glaube - es ist viel, viel herrlicher
Sonnenschein in mein Leben gefallen. Meine Tätigkeit ist mit äusserem Erfolge
gekrönt, weit über meine kühnsten Erwartungen und weit, weit über meine
bescheidenen Ansprüche und mäßigen Bedürfnisse; und, was viel mehr bedeutet: ich
habe, um zu diesen Erfolgen zu gelangen, die Lehre meines Meisters nicht zu
verleugnen brauchen, habe nicht ein harter Hammer zu sein brauchen für einen
armen, vielgeplagten Amboss - im Gegenteil: ich weiß es so gewiss, als ich lebe,
dass ich nicht nur nicht
