 jetzt nicht mehr
so viel an der Erwerbung des Gutes liegt, als in diesem Frühjahr, und dass Sie
also mit mir einen schweren Stand haben werden.«
    »Immer noch einen leichteren, als zum Beispiel mit Herrn von Granow,« sagte
ich.
    Ein Lächeln spielte um die feinen Lippen des Fürsten. »Da möchten Sie wohl
recht haben,« sagte er. »Das ist ein Fuchs, trotz seines Bulldoggen-Gesichtes.
Er hat mich schon ein paar Mal durch Zehren und den Justizrat sondiren lassen,
ob ich noch immer auf Zehrendorf reflectire. Es scheint, dass er alle
Koncurrenten beseitigen will, um der Einzige auf dem Platze zu sein und dann im
rechten Augenblick, für den ihm der Justizrat wohl den Wink geben wird, das
schöne Gut für dreißig Silberlinge zu erstehen. Nein, bei Gott, Sie sollen nicht
in die schmutzigen Hände dieses Halsabschneiders fallen, wenn ich es hindern
kann.«
    »Ich danke Ihnen, Durchlaucht,« sagte ich.
    »Ich habe Ihnen zu danken,« erwiderte der Fürst, »dass Sie mir auf's Neue
Gelegenheit geben, eine alte Schuld, die ich gegen Sie habe, abzutragen. Ihre
Angelegenheit ist mir, seitdem Sie mir schrieben, vielfach im Kopfe
herumgegangen, ja ich kann sagen, dass ich dieselbe eigentlich niemals aus den
Augen verloren hatte, Dank den guten Freunden Ihres Schwiegervaters. Sie wissen
vielleicht selbst nicht, wie viel in unserer Gegend über ihn gesprochen wird,
und wie er in dem Ansehen der Leute gesunken ist. Ich sage das zu meinem großen
Bedauern, und nur, weil ich glaube, Ihnen, als dem zunächst Beteiligten,
mitteilen zu müssen, was Andere Ihnen zu sagen vielleicht nicht den Mut haben,
oder aus irgend welchen böswilligen Absichten geflissentlich verschweigen. Der
Kredit des Kommerzienrats scheint mir sehr erschüttert; man erzählt sich von
ungeheuren Verlusten, die er in der letzten Zeit erlitten habe; er soll an der
Börse speculiren, in allen möglichen gewagten Unternehmungen engagirt sein - was
weiß ich. Ich kann Sie versichern, man hält ihn für halb toll, man hält ihn für
ruinirt, während freilich die Andern behaupten, der alte Herr sei niemals besser
bei Verstande und niemals reicher gewesen, als eben jetzt; und wenn er ein wenig
den Narren und den Bankrotteur spiele, so sei das nur eine seiner alten Finten,
die ihm noch immer geglückt seien. Was halten Sie denn davon?«
    Ich glaubte das Entgegenkommen des Fürsten meinerseits mit Offenheit
erwidern zu müssen; und so schilderte ich ihm ausführlich, so gut ich es
konnte, die sonderbare Lage, in welcher ich mich dem Kommerzienrat gegenüber
befand: die Winkelzüge und Inconsequenzen, die Halbheiten, welche er sich gegen
