 mehr, wie sie ausgesehen hat, aber die Leute sagen, sie sei noch schöner
gewesen als ich.«
    Ich meinte, das sei nicht möglich, und hatte das, weil ich während dessen an
die arme Frau dachte, die sich in dem dunklen Wasser des Weihers ertränkte, so
ernstaft gesagt, dass Konstanze wieder lächelte und sagte: ich sei gewiss der
beste Mensch von der Welt und mir könne man Alles sagen, was einem so durch den
Kopf gehe und über die Zunge laufe; das sei gar lieb. Dafür solle ich auch immer
bei ihr bleiben und ihr treuer Georg sein und alle Drachen der Welt für sie tot
schlagen. Ob ich das wolle? - Ich sagte, das wolle ich ganz gewiss.
    Wieder spielte ein Lächeln um ihre roten Lippen:
    »Sie sehen ganz danach aus! Aber wie kommen Sie eigentlich zu uns, und was
will der Vater mit Ihnen? Er hat mir Sie heute morgen, als er wegfuhr, so auf
die Seele gebunden; er pflegt gerade nicht sehr zärtlich um das Wohl anderer
Menschen besorgt zu sein; Sie müssen hoch in seiner Gunst stehen. Und wie kommt
es, dass Sie einen Schifferhut tragen und noch dazu einen recht hässlichen? Ich
denke, Sie sagten, Sie kämen von der Schule? Und gibt es denn so große Schüler?
Das habe ich gar nicht gewusst. Wie alt sind Sie eigentlich?«
    So plauderte das Mädchen, oder eigentlich war es kein Plaudern, denn sie
blieb immer ernstaft dabei, und es war mir oft, als ob sie, während sie sprach,
an etwas ganz Anderes denke, wenigstens richteten sich ihre dunkeln Augen nur
selten und dann immer mit einem Blick auf mich, als wäre ich kein lebendiger
Mensch, sondern ein Bild, und oft fragte sie eine zweite Frage, ohne eine
Antwort auf die erste abzuwarten.
    Mir war das gerade recht; ich konnte so wenigstens den Mut gewinnen, sie
wieder und wieder anzusehen und endlich kaum noch ein Auge von ihr zu verwenden.
»Sie werden noch da hinabstürzen,« sagte sie, indem sie mir, als wir am Rande
des steilen Ufers hingingen, leise mit dem Finger den Elnbogen berührte. - »Es
scheint, Sie sind nicht schwindelig.«
    »Nein,« sagte ich.
    »Lassen Sie uns da hinaufgehen,« sagte sie.
    Beinahe auf der Höhe des immer noch ansteigenden Vorgebirges lagen, von
Buschwerk umgeben, die Ruinen einer Burg. Nur ein gewaltiger, mit Epheu fast
gänzlich überwucherter runder Turm hatte den Stürmen der Zeit und des Meeres
getrotzt. Es waren dies die Ruinen der Zehrenburg, auf die gestern Arthur, als
wir auf dem Dampfschiff daran vorüberfuhren, gedeutet; es war derselbe
