 unbemittelten Gefangenen bringen,
der für seinen Unterhalt arbeiten muss, so hatte ich Ihnen, wie Sie wissen, eine
andere, Ihren Fähigkeiten, Ihren Kenntnissen passendere Beschäftigung zugedacht.
Sie sagen, eine schwere, eine ganz schwere Arbeit sei Ihnen Bedürfnis. Es mag
sein. Sie sind ein ganz ungewöhnlich kräftiger Mann - ein Herkules im Vergleich
mit mir armen Invaliden - und die eingeschlossene Luft eines Gefängnisses ist
Gift für Ihre Konstitution. Nicht bloß für Ihren Körper, auch für Ihre Seele.
Sie sind durch die lange Untersuchungshaft, die über alle Gebühr streng gewesen
zu sein scheint, auf's tiefste verbittert. Sie werden, ich bin es überzeugt,
wieder der grossherzige, gutmütige, brave Mensch werden, der Sie von Haus aus
waren, der Sie in meinen Augen noch sind, wenn Sie erst einmal die breite Brust
in freier Luft haben lüften können und die stockenden Säfte bei schwerer Arbeit
wieder munter kreisen. Auch brauchen Sie vielleicht für die Leidenschaften, die
in Ihnen wühlen, ein mächtiges Gegengewicht. So bin ich denn, Alles in Allem,
gern geneigt, Ihrem Wunsche zu willfahren; Süssmilch soll Ihnen Ihren Posten
anweisen. Ich sage Ihnen aber vorher: es ist Sträflingsarbeit und Sie werden in
sehr schlechte Gesellschaft kommen; um so eher werden Sie sich darauf besinnen,
dass Sie ein guter Mensch sind.«
    Er winkte mir freundlich mit Hand und Augen und ich war entlassen. Mir
waren, ich weiß nicht wie, die Tränen in die Augen gekommen, als ich mich von
ihm nach der Tür wendete, aber ich zerdrückte sie zwischen den Wimpern und
sagte bei mir: das ist Alles sehr schön, aber ich will nicht gut sein - ich will
frei sein.
    In der äußersten Ecke der Ringmauer der Anstalt, auf einem etwas erhöhten
Platze wurde ein neues Krankenhaus erbaut. Anschlag, Pläne, Zeichnungen, Alles
war von dem Director, der ein vollkommener Baumeister war, selbst gefertigt. Die
Arbeit, vor Allem die erste grobe, sollte von den Zuchtäuslern getan werden.
Man war dabei, das Fundament auszuheben. Es war eine sehr schwere Arbeit. Auf
dem Platze hatte ehemals ein alter Turm der Stadtmauer gestanden, dessen durch
die Jahrhunderte zu Schutt zerriebene und durch die Verwitterung wieder zu einer
compacten Masse zusammengewachsene Trümmer mit der Spitzaxt losgebrochen werden
mussten, bis man auf die Grundmauern kam, die man zum Teil noch für das neue
Gebäude verwerten zu können hoffte.
    Bei dieser Arbeit waren ungefähr zwanzig Leute beschäftigt. Die Oberaufsicht
führte der Wachtmeister Süssmilch, der, da ich zur Zeit der einzige Gefangene der
Anstalt und jetzt hier auf dem Platze war, nichts Besonderes zu tun hatte; für
die Zuchtäusler waren noch zwei Aufseher vorhanden.
    Von diesen, welche meist jüngere
