 gegenüber ungemein schwach und
blind sein müsse, sonst würde es wenigstens mit diesem landesbekannten
Taugenichts nach den früher gemachten Erfahrungen in kein Gerede mehr gekommen
sein.
    Die Wirtin, die Doroteen recht von Herzen liebte, würde dem Andreas gerne
das Haus für immer verboten haben; aber sie fürchtete, dadurch dem nun einmal
entstandenen Gerede noch einen Scheingrund zu geben, wie Hans, da er das arme
Mädchen mitten in der Zeit fortschickte. Wollte sie Doroteen warnen, so sagte
diese, sie habe solches Gelärm schon gewohnen müssen und wolle nun durch den
vielgeschmähten, unglücklichen Andreas beweisen, dass noch nicht jeder schlecht
sei, den man verdamme, sondern mancher bloß durch solches Urteil den Glauben an
sich selbst verliere und wirklich schlecht werde. Wurde die Wirtin, die es recht
gut meinte, über solche Antwort ärgerlich, so konnte sie Doroteen wohl zum
Weinen, aber nie zum Nachgeben bringen. So saß die gute Frau eines Tages in der
Stube bei ihrem Strickstrumpf, und während Masche sich an Masche reihte, sann
sie darüber nach, wie wohl das unerfahrene Mädchen am besten von seiner
Bekehrungssucht zu heilen wäre. Da polterte der Stighans herein und verlangte,
sogleich ein vertrautes Wort mit ihr zu reden.
    Im Herrenstüble angelangt, zupfte der Bursche verlegen am Halstuch, während
die Wirtin die Türe schloss, und sagte dann, rasch wie immer, wenn er kaum den
rechten Anfang finden konnte: »Was ist denn anders worden in der
Kronenwirtschaft, dass da ganz ein ordentliches Mädchen so ins Geschrei kommen
kann?«
    »Gerade so«, versetzte die Wirtin, »hätte man vor kaum einem halben Jahre
auch die auf dem Stighofe fragen können.«
    »Nein«, widersprach Hans, »diesmal ist's viel ärger, und wer ihr zusieht,
muss fast wider Willen glauben, was der Wein aus dem Grosssprecher herausredet.«
    »Aus welchem Grosssprecher?«
    »Natürlich dem Andreas.«
    »Was weiß denn der?«
    »Kurz und gut, dass er bei Doroteen alles gelte, dass er sie fast um einen
Finger wickeln könnte. Sicher sagt er zehnmal mehr, als wahr ist, aber er sollte
gar nichts zu sagen den Mut haben; und wenn mancher herkommt und beide so
vertraulich tun sieht, glaubt er schon alles bestätigt. Ich kenne das Mädchen
freilich besser, möchte denn aber doch erfahren, was es mit dem Andreas immer zu
reden gibt. Du musst das wissen, sonst würdest du es gewiss nicht leiden. Von der
Art bist du nicht, dass du solche Goldvögel um jeden Preis fangen und rupfen
lassen willst.«
    »Ich meine doch auch«, sagte die Frau nicht ohne Selbstgefühl.
    »Wie kann aber Dorotee so blind werden und nicht
